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Mit dem iPad mischt Apple mehr als eine Industrie auf. Content und neue Geräte werden einiges ändern. Apple hat aus der eigenen Geschichte gelernt.

(Wien, 29.1.2010) Apples Zukunft wird auch aus seiner Vergangenheit verständlich. Den ersten Erfolg erzielte das noch junge Unternehmen mit dem Apple II, der zwischen 1979 und 1985 mehr als zwei Millionen Mal verkauft wurde. Dieser erste PC hatte eine offene Architektur, das heißt Dritte konnten dafür sowohl Hardware als auch Software entwickeln – ein wesentlicher Meilenstein für den Erfolg.

 

Die Nachfolgesysteme, die ersten mit einer grafischen Benutzeroberfläche, Lisa und MacIntosh waren dagegen geschlossene Systeme und waren bei weitem weniger erfolgreich. Apple geriet in Turbulenzen, die darin gipfelten, dass der von Pepsi geholte neue CEO John Sculley im Sommer 1985 Firmengründer Jobs feuerte.

 

Der IBM Flop

Ähnlich verlief das Auf und Ab von IBMs PC Geschäft. Der erste IBM PC 1981 hatte eine genauso offene Architektur wie der Apple II. Der Marktanteil stieg rasch auf weit über 50 Prozent. Durch den Erfolg gierig geworden führte IBM dann im Jahr 1987 sein System PS/2 ein, mit einem proprietärem Bussystem namens Microchannel. Fremdhersteller konnten somit keine Add ons mehr liefern ohne vorher bei IBM Lizenzrechte zu kaufen. Der folgende Verfall der Marktanteile war dramatisch. Als die Fünfprozentmarke unterschritten war, verkaufte IBM wie bekannt seine PC-Sparte an den chinesischen Hersteller Lenovo.

 

Auch Apple hatte in den folgenden Jahren riesige Probleme und entging nur knapp der Insolvenz. Als dann Steve Jobs 1997 als CEO im Zuge des Kaufes von Jobs‘ Firma NeXT zurückkehrte, hatte Apple zumindest wieder ein offenes Betriebssystem (Unix-basierend) und kehrte 2001 mit dem iPod endgültig auf die Erfolgsspur zurück.

 

Neue Situation durch Internet

Das interessante an der neuen Situation ist, dass Hardware und Betriebssystem der iPod/iPhone/iPad-Serie proprietär sind – aber sie sind alle mit dem Internet verbunden. Zwar über den ebenfalls proprietären Vertriebsweg iTunes, aber dahinter steht eine offene Medien- und Applikationswelt.

 

In den 70er und 80er Jahren war der Schlüssel zum Erfolg die Offenheit sich selbst aus Komponenten ein maßgeschneidertes Computersystem zusammenbasteln zu können. Heute dagegen geht es offenbar um den offenen Zugang in die Welt der Medien, dass der dahinter liegende Vertriebsweg, Hardware und Betriebssystem proprietär sind, stört aber niemand mehr. Diese Art der Offenheit gab es eben im Jahr 1987 noch nicht und deshalb musste das PS/2-Konzept der IBM damals scheitern. Heute hat hingegen niemand mehr Lust an der Hardware selbst herumzubasteln.

 

Natürlich ist Offenheit alleine noch nicht ausreichend für den Erfolg. Bei i-Serie kamen noch herausragendes Design, exzellente Bedienbarkeit und ein riesiger Marketing-Hype dazu.

 

Das iMonopol

Allerdings – was für den Kunden Offenheit beim Zugriff auf eine riesige Medien- und Applikationswelt bedeutet, wächst sich andererseits zum Monopol aus. Denn Apple hat den Vertriebsweg, geschützt durch die proprietäre Hard- und Software fest in der Hand. Weder kann der Kunde woanders kaufen, noch können Medien- oder Anwendungsproduzenten anders als über Apple an den Endkunden liefern.

 

Die iZukunft

Ganz klar wird Apple die Videothek, vor allem die HD-Titel für das HD-Display des iPad, sehr rasch erweitern. Und ich rechne damit, dass bald auch lineare Programme angeboten werden. Dass daran Interesse besteht sieht man an Plattformen wie etwa www.veetle.com. Entweder stellen TV-Stationen ihre Programme auch für den iPad zur Verfügung oder es entstehen eigene Kanäle dafür. Besonders interessant sind wahrscheinlich Spartenkanäle wie Sport oder ähnliches. Aber auch Al Gores Current TV mit User-Content wäre geeignet – der Ex-US-Vizepräsident sitzt übrigens im Board of Directors bei Apple. Das iPad bietet dann eine komplette Medien- und Informationsplattform, auf der man von Internet über Bücher und Zeitungen bis hin zum TV alles konsumieren kann.

 

Damit zeichnet sich auch ein Weg für iDevices an. Ich denke, dass etwa iTV eine gute Wahl wäre um das Potenzial der Online-Mediathek weiter zu nutzen – ein Fernseher mit dem iPhone-Betriebssystem und via Wlan mit PC und Internet verbunden. Das wäre auch eine ideale Plattform für Spiele und gibt Apple einen guten Einstieg in den Spielemarkt. Samsung geht mit den neuen LED-Geräten der Serie 7000 und 8000 bereits in eine ähnliche Richtung, haben sie doch 16 GB Speicher an Bord, Internet-Anschluss per Wlan und Spiele vorinstalliert.

 

Klarerweise wird diese Entwicklung nicht nur auf die Filmindustrie und die Printmedien Auswirkungen haben. Vor allem klassische TV-Stationen werden Mühe haben ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Breitband-Festnetz hingegen wird schon durch das iPad einen Aufschwung erleben, der durch ein iTV noch bedeutend beschleunigt werden wird. Man darf jedenfalls gespannt sein, was die iZukunft bringen wird.

 

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