(29.7.2011, 10:10) Google wurde mit + vor einem Monat so richtig sozial. Gleich vorweg: Das neue soziale Medium wurde insgesamt höchst positiv aufgenommen und funktioniert im Großen und Ganzen überraschend gut. Die Ankündigung kam lang erwartet aber doch völlig überraschend. Dementsprechend groß war die mediale Präsenz und die Nachfrage nach einer Einladung. In der Zwischenzeit ist das aber kein Problem mehr, hat doch G+ schon mehr als 20 Millionen Teilnehmer.
Vom Hangout zum Hang-Outing
Eine der Funktionen, die offenbar von Anfang an wegen ihrer wirklich einfachen Bedienbarkeit total gut angenommen wird, sind die Hangouts. Das ist ein Videochat, den man mit mehreren Personen durchführen kann. Es kursieren bereits alle möglichen Vorschläge, wie man diese Funktion kreativ nutzen kann. Zum Beispiel für Kochkurse, Live Musik mit verteiltem Orchester, kreative Zusammenarbeit und natürlich einfach zum Reden.
Dafür habe ich es auch schon mehrfach genutzt. Man kann einzelne Personen einladen oder ganze Kreise. Wer die Einladung sieht, kann ganz einfach „beitreten“. Allerdings habe ich gestern erfahren, dass der Hangout ganz schnell zum Hang-Outing werden kann. In einem Videochat, der auf einer direkten Einladung einer Person beruhte, tauchte plötzlich eine andere auf, die allerdings in einem Kreis von mir und zwar gemeinsam mit meiner ersten Gesprächspartnerin ist.
Was da genau passiert ist, wurde uns nicht ganz klar. Offenbar ist mit den Kreisen aber Vorsicht geboten, damit es nicht plötzlich zu einem unerwünschten Outing kommt. Berichte dazu gab es übrigens am Anfang einige, in der Zwischenzeit soll das Problem behoben sein – offenbar doch nicht ganz.
Eingekreist und umkreist
Google+ kennt keine Freundschaften sowie Facebook, sondern nutzt ein ähnliches Prinzip wie Twitter. Man kann anderen Usern folgen, indem man sie in einen Kreis zieht. Wen ich in meinen Kreisen habe entspricht meinen „Freunden“ bzw „Following“ in Twitter. Die die mich in ihren Kreisen haben, entsprechen den „Followern“.
Die Kreise dienen einerseits als Ordnungsprinzip für die eigenen Kontakte. Andererseits sollen sie dabei helfen, die eigenen Postings gezielt auf bestimmte Personenkreise loslassen zu können. Nach meinem gestrigen Hangouting bin ich mir aber nun nicht mehr sicher, ob das mit den Kreisen wirklich funktioniert und tatsächlich nur die im jeweiligen Kreis befindlichen ein Posting zu sehen bekommen, das auf diesen Kreis eingeschränkt wurde.
Sehr spannend bei den Kreisen ist auch das Konzept der „Erweiterten Kreise“, mit dem man ein Posting nicht nur für die Mitglieder aller meiner Kreise sichtbar machen kann, sondern darüber hinausgehend für deren Mitglieder in Kreisen. Damit kann man theoretisch 25 Millionen User mit einem Posting erreichen. Erklärung hier.
Sparks nicht sparkling
Mit dem Konzept Sparks wollte Google+ offenbar sowas wie ein Newsservice aufziehen. Darüber wurde ganz zu Anfang einiges geschrieben, nun ist es aber ziemlich still dazu geworden. Mein Eindruck ist, dass die User mehr die persönliche Empfehlung vorziehen als von irgendwelchen Google Algorithmen vorgeschlagene Artikel.
Zu einem verwandten Thema gab es auch heftige Diskussionen. Facebook entscheidet bekanntlich anhand von mathematischen Modellen, was man als User zu sehen bekommt und was nicht. In den Diskussionen, die ich in G+ gesehen habe, wurde das von den Usern zu ungefähr 99% massiv abgelehnt. Die überwiegende Mehrheit fühlt sich durchaus dazu in der Lage den eigenen Newsfeed zu zähmen und zu managen. Denn das ist ja das Grundprinzip der sozialen Netze, dass man anderen Menschen folgt.
Vermischte Pluspunkte
Neben der Komplettheit der Newsstreams fallen noch einige andere Dinge positiv gegenüber Facebook und Twitter auf. Meldungen über neue Befreundungen werden nicht im Newsfeed angezeigt, was bei Facebook mittlerweile schon ein ziemliches Ärgernis geworden ist.
Die Interaktion mit einzelnen Postings ist in G+ deutlich intensiver als in Facebook. Postings werden wesentlich häufiger und auch viel ausführlicher kommentiert. Das mag auch darauf zurückzuführen sein, dass der Newsstream wirklich auf die Postings eingedampft ist. Oder darauf, dass eben jetzt zu Beginn vor allem die in G+ sind, die ohnehin zu allem und jedem etwas zu sagen und zu melden haben.
Angenehm finde ich auch, dass nicht angezeigt wird, wenn ein User in meinen Kreisen irgendwo auf +1, das Äquivalent des „Gefällt mir“, klickt. Wohl sieht man aber, wenn ein eigenes Posting von jemand mit einem +1 bedacht wurde und wenn mich jemand in einen seiner Kreise hinzugefügt hat. Die Benachrichtigungen sind wesentlich besser zusammengefasst und so organisiert, dass sie nicht nerven. Ich kann sie mir genau dann ansehen, wann ich will.
Der Vorteil gegenüber Twitter ist, das man zu vielen Links auch gleich Meinungen dazu sehen kann. Allerdings sind die Kommentare manchmal gleich in voller Länge zu sehen, wodurch es wieder erschwert wird, sich einen raschen Überblick zu verschaffen.
Mein Fazit ist jedenfalls, dass sich Google+ gleich im ersten Monat als voller Erfolg erwiesen hat. Ob es nun allerdings User von Facebook abziehen kann, kann im Moment noch niemand vorhersagen. Auch nicht, ob die beiden parallel existieren werden, oder ob sich einer gegen den anderen durchsetzen wird können. Was Google+ im Moment noch fehlt, sind die wirklichen Ceblebrities, wobei Google angeblich dafür sogar einen richtigen Akquise-Plan entwickelt haben soll.