(Wien, 6.12.2009) Die Krampus/Nikolaus-Ausgabe des "Standard" liefert einen Klima-Schwerpunkt und beleuchtet vor dem in Kürze stattfindenden Klimagipfel in Kopenhagen zahlreiche kernige Facetten. Zwischen 7. und 18. Dezember findet sich das Who is Who der internationalen Politriege in Dänemark ein, um nach einem Nachfolger-Abkommen zu ringen. Auch US-Präsident Barack Obama hat seine Teilnahme angekündigt, und zwar gegen Ende der Gipfels, wenn die "wesentlichen Entscheidungen" getroffen werden.
"Wir sind grün" oder "Wir wollen grün werden" lautet die gemeinsame Parole von Politik, Industrie und Konsumbürger. Grund genug für einen Blick auf die Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht.
Klima Agenda
Expertenmeinungen zum Klimawandel, Energiechecks und Hardfacts, Erwartungen und Hoffnungen vom Klimagipfel, Eckpfeiler des neuen Kyoto-Protokolls sowie dessen Umsetzung, sind nur einige Kategorien für einen Rundum-Blick zur weltweiten Klimasituation und der grünen Hoffnung dahinter.
Jährlicher CO2-Ausstoß pro Kopf
Die Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-CO2-Ausstoß befinden sich in der Golf-Region, in China ist der Gesamtausstoß am größten. Katar führt die Spitze mit 58,8 Tonnen an, die Vereinigten Arabischen Emirate belegen lediglich mit der Hälfte den zweiten Platz. Billige Spritpreise in Luxemburg ziehen tausende Tanktouristen jährlich an und verantworten 22,4 Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf (Platz vier). Gefolgt von USA, Australien und Kanada. 8,4 Tonnen Treibhausgase emittiert jeder Österreicher pro Jahr – doppelt so viel wie der internationale Durchschnittswert von 4,38 aufweist.
Kyoto-Protokoll
Wissenschaftler sind sich einig: Zur hauptsächlichen Ursache der globalen Erwärmung zählen die Treibhausgase in den Industrieländern. Im Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichten sich die führenden Industrieländer völkerrechtlich zu einer Verringerung ihrer Emissionen um 5,2 Prozent gegenüber den Werten von 1990. Das bei der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen beschlossene Abkommen trat 2005 in Kraft und läuft im Jahr 2012 aus, weshalb ein neuer Vertrag angepeilt wird. Kanada kündigte 2007 als erstes Land an, die Ziele nicht einzuhalten und hat sich mit der EU darauf geeinigt, auch ohne formales Inkrafttreten des Protokolls ihre zugesagten CO2-Reduzierungsziele (minus sechs Prozent) bis 2012 zu erreichen. Heute gehört Kanada gemeinsam mit Australien, Grönland und den meisten europäischen Staaten zu jenen, die das Abkommen ratifiziert und eine CO2-Minderung im Bereich von minus fünf bis minus acht Prozent erreicht haben.
Eckpfeiler für neues Abkommen
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen gilt es wesentliche Knackpunkte unter den Teilnehmern für einen neuen Klima-Vertrag in Angriff zu nehmen und einen gemeinsamen Konsens zu finden. Insbesondere müssen sich alle Industriestaaten zu einer starken Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichten. Den Schwellenländern ist es weiterhin zugesagt, mehr CO2 auszustoßen, doch sie müssen sich für eine Verlangsamung des Anstiegs engagieren. Darunter fallen vor allem China, Indien und Brasilien. Die Entwicklungsländer müssen von den Industrieländern finanziell unterstützt werden, um die entsprechenden ökonomischen Klimaschutzmaßnahmen ergreifen zu können. Der dafür geschätzte EU-Wert für den Finanzbedarf ab 2020 liegt bei 100 Milliarden Euro jährlich. Für kurzfristige Projekte der nächsten Jahre steht der Plan für einen Start-Up-Fonds in Kopenhagen bereit, der auf dem Klimagipfel verabschiedet werden könnte.
Im Fegefeuer des Elektromülls
Jährlich fallen weltweit 50 Millionen Tonnen an giftigem Computerschrott an. Die Verschrottung von Computermüll ist teuer, im Durchschnitt belaufen sich die Kosten auf ein Gerät auf ca. 20 Euro. Eine alternative Lösung, Computermüll günstig loszuwerden findet die europäische und US-amerikanische Industrie auf Mülldeponien in Ghanas Hauptstadt Accra. Der Agbogbloshie-Markt an der Küste der 2-Millionen-Stadt ist der größte Elektroschrottplatz Ghanas und "beschäftigt" tausende Menschen, viele von ihnen Jugendliche und Kinder. Sie sortieren den Elektroschrott nach wieder brauchbaren Metallen und können damit pro Tag einen Verdienst von zwei Euro erreichen, um Schulgebühren zahlen zu können oder ihre Familien zu ernähren. Der Rest wird verbrannt und der daraus gewonne Kupfer verkauft. Neben gesundheitlichen Folgen wie Unfruchtbarkeit, Krebs, Gehirnschwellungen, Organschäden und Muskelschwund haben die dabei frei werdenden Gifte und der schwarze Rauch der Plastikteile aus PC-Gehäuse und Co weitere verheerende Auswirkungen: Die toxischen Dämpfe ziehen in die Atmosphäre, kommen als Niederschlag in Meere und belasten dort Wasser und Fische. Letztendlich landen diese Fische wieder in Europa auf unserem Teller. Ein Teufelskreis im wahrsten Sinne des Wortes.
Deklariert als Gebrauchtware
Lediglich ein Viertel der in der EU verkauften Rechner und Bildschirme wird auch tatsächlich innerhalb der EU entsorgt. 75 Prozent landet in den Entwicklungsländern. Gesetzlich verbietet eine Basler UN-Konvention von 1989 zur "Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung" den Export von Giftmüll in die dritte Welt. Dank des Definitionsdilemmas giftiger Müll versus Gebrauchtware, deklarieren Europa und die USA (praktischerweise der Basler Konvention nie beigetreten) den Müll als Gebrauchtware.
Das grüne Leben zu seinem Ding machen
Für all jene, die persönlich ihren Beitrag für eine grünere Zukunft leisten wollen, hier einige Tipps für eine Reduktion des persönlichen ökologischen Fußabdruckes (Zusammensetzung aus Konsum 30 Prozent, Wohnen 20, Mobilität 20, Ernährung 30):
Stromschluckspecht Standby
Fernseher, Radios, DVD-Player und PC verbrauchen im Standby unnötige Energie und verantworten Tonnen von CO2. Wer den Stecker zieht, oder eine Steckdosenleiste mit Kippschalter verwendet, spart Energie ein. Vor allem Heizen und Elektrizität sorgen im Bereich Wohnen für ein Fünftel des österreichischen Fußabdruckes. Gute Wärmedämmung, dosierte Heizung und sparsamer Umgang mit Elektrizität werden empfohlen. Dabei frisst das Wohnen in der kompakten Wohnanlage bedeutend weniger Fläche als das Haus im Grünen. Ein Tipp für klirrende Kälte: Auch Körperwärme wärmt.
Umdenken – Grün essen!
Unsere Ernährung besteht zu 70 bis 80 Prozent aus dem Konsum tierischer Produkte wie Fleisch, Milchprodukte und Eier. Die industrielle Viehzucht führt zu 18 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen, so die Weltgesundheitsorganisation WHO. Eine Reduktion des Fleischkonsums auf die empfohlene Menge von zwei Mal pro Woche ist neben dem gesundheitlichen Aspekt auch ökologisch und sinnvoll.
Gehen Sie weniger oft in die Luft!
Durch Mobilität, überwiegend Autofahren und Fliegen, entstehen 20 Prozent des durchschnittlichen Fußabdruckes. Eine Schlüsselrolle kommt also der Reduktion des Auto- und Flugzeuggebrauchs zu, da bei Menschen, die auf das Auto angewiesen sind und viel fliegen, der dadurch verursachte Fußabdruck bereits ein Vielfaches des gesamten Übrigen ausmachen kann. Deshalb: Gehen Sie weniger oft in die Luft, dafür mehr zu Fuß.
Alles konsumieren
Konsum und alles, was wir kaufen, wirkt sich auf die Umwelt aus. Ein großer Teil entfällt auf öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen wie Straßenbau und -erhaltung oder die Errichtung und Inbetriebhaltung öffentlicher Gebäude. Hier ist die Politik gefordert, etwa durch einen sparsamen Flächenverbrauch und energiesparende Infrastrukturen. Konsumgüter möglichst lange zu verwenden und den Kauf des nächsten neuen Geräts gut zu überlegen bleibt schließlich für jeden persönlich als Maßnahme, dem globalen Konsumwahnsinn etwas Einhalt zu gebieten.
Samsung Öko-Touch im Test
Lesen Sie in Kürze den Redaktionstest des solarbetriebenen Samsung Smartphones Blue Earth. Es wird als erstes Touch-Smartphone mit Öko-Touch gehandelt.
Links
Offizielle Website der Klimakonferenz in Kopenhagen
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)
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Fotos: Fotocredit: SXC, Jeinny Solis S.
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