(19.11.2011, 21:27) Mit seinen jüngsten Neuerungen beginnt Facebook seine User immer mehr zu nerven und ihnen das Klicken auf geteilte Links gründlich zu vergraulen. Bei der f8 am 22. September hat Mark Zuckerberg eine Reihe von Neuerungen offiziell gamcht bzw. angekündigt.
Es kam der Open Graph – dazu weiter unten – und einige andere Neuerungen beim Posten. Mit den neuen Listen und Einstellungen beim Posten hat Facebook einen alten Erfolgsweg, nämlich KISS (Keep it simple, stupid), verlassen und schon das Posten komplexer gemacht. Bei Social Networks gilt ebenso wie bei Smartphones, dass einfache Bedienbarkeit der Schlüssel zum Erfolg ist. Facebook fügt hingegen Funktion um Funktion hinzu. Damit sind schon viele Produkte gescheitert, weil die Funktionen niemand brtaucht und sie nur die Bedienung kompliziert machen.
Aber mit dem Open Graph hat sich Facebook regelrecht ein Ei gelegt. Zuckerberg bezeichnete es als „frictionless sharing“ – man stimmt einmal zu, dass alles was man liest, hört oder sieht automatisch gepostet wird. Und nervt damit seine FreundInnen ganz gewaltig.
Eben habe ich einen Post gesehen des Inhalts „Eure Musikleidenschaft in Ehren, aber bitte dreht die Spotify notifications ab. Es ist alles voll davon. Das ist schade, man sieht kaum noch die normalen Posts in dieser Flut“. Und der User hatte die Schnauze voll und hat Spotify abgedreht.
Ich bin auch schon vorsichtig geworden beim Klicken auf Links, denn oft kommst du statt auf den versprochenen interessanten Inhalt auf folgende Aufforderung:

Eine Reihe von Medien, die bei diesem Programm mitmachen wie den Guardian, Spotivy oder Yahoo News, hat Zuckerberg schon am 22. September vorgestellt. Wie viele seither dazugekommen sind, ist nicht bekannt. Für Unternehmen und zuvorderst für Facebook ist die Funktion extrem nützlich, denn sie liefert weitere zusätzliche Informationen, die sich mit gezielter Werbung leicht monetarisieren lassen.
Aber bevor es dazu kommt, würde Facebook kaputt sein. Denn wenn wir alle auf den Zug aufspringen und dem automatischen Teilen zustimmen, würden wir dermaßen viel Datenmüll erzeugen, dass im Grunde genommen nichts anderes mehr überbleibt, als Facebook seltener aufzusuchen – oder gleich zu Google+ abzuwandern.
Die Idee mit dem Autosharing ist ja an sich schon ziemlich abstrus. Denn sie teilt alles mit, was wir im Web tun. Dagegen ist das „manuelle“ Teilen eines Links, eines Fotos oder Videos ein bewusster Akt, nachdem (!) man etwas gesehen, gelesen oder gehört hat. „Frictionless“ wird geteilt schon wenn du klickst. Also auch das, was du selbst bei Betrachtung als Nonsense ansiehst. Folgt dann jemand deinen Spuren – naja, die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen.
Unter dem Strich habe ich den Eindruck, dass sich Facebook damit ein Eigentor geschossen hat. Es ist zu kompliziert geworden, beschränkt sich nicht auf das Wesentliche in der Benutzeroberfläche und den Funktionen und produziert immer mehr Datenmüll. Google+ wartet schon.
[Update 21.11.2011, 08:45] Der Blogger Robert Scoble (@Scobleizer) hat gestern Abend einen Blogbeitrag geschrieben, in dem er das "Frictionless Sharing" begrüßt hat. Facebook würde damit die "freaky line" wieder ein Stück verschieben und wir würden alle unsere Gewohnheiten ändern und an Facebook anpassen. Diesen Blogbeitrag hat er auch in Google+ und auf Facebook gepostet. Vor allem auf Google+ hat sich eine massive Debatte mit einigen hunderten Kommentaren und Shares entzündet, wobei die Kommenatare ziemlich einhellig Facebooks neue Idee ablehnen.
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