Verwaltungsrealitäten

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Verwaltungsrealitäten

 

Wir sind Europameister was das Angebot an eGovernment anlangt. In der Realität gilt aber noch die Kanzleiordnung von Maria Theresia. Ein Befund.

(Wien, 21.2.2010) Ich hatte in jüngster Zeit einiges mit österreichischen Ämtern zu tun. Meine Erkenntnis: eGovernment wird erst von der nächsten Generation von Beamten genutzt werden.

 

Einige Eindrücke: Ich sende per Mail einen digital signierten Meldezettel an eine Waldviertler Gemeinde. Am Tag danach der Anruf und die Frage: „Was is dös?“ Ich erkläre, dass die digitale Signatur der persönlichen gleichgestellt sei und man die Gültigkeit am Portal, www.buergerkarte.at überprüfen könne. „Dös kann i oba net aufhebn.“ Dann eben nicht.

 

Gleicher Versuch in Wien und ich erhalte überraschend zwei Tage später per Post die Meldebestätigung. Wow, denke ich mir, Wien ist anders. Aber – die Enttäuschung folgt auf dem Fuß. Ich brauche wieder ein Dokument und besuche ein Magistratisches Bezirksamt. Lege meine Dokumente vor. Der Beamte lässt sich zur Sicherheit von einem anderen Magistrat eine Kopie des Geburtsbuches zufaxen, da meine Geburtsurkunde nach einhundert Mal Amts-Vorlage bereits langsam zerfällt und das Papier so alt aussieht wie ich. Dann lässt er sich noch ein dickes Buch bringen, da er offenbar einer vom eigenen Amt ausgestellten Urkunde nicht traut. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

 

Danach wird’s wirklich skurril. Der Amtsleiter, von dem ich die Ehre hatte bedient zu werden, füllt ein aus dem Computer ausgedrucktes Formular mit Kugelschreiber aus. Wird wohl dann eine Schreibkraft in den Computer übertragen. (Nebensatz: Die Richter streiken unter anderem deshalb, weil sie nicht genug Schreibkräfte haben.)

 

Dann begehe ich einen Fauxpas. Ich frage submissest an, ob ich das benötigte Dokument elektronisch mit Amtssignatur auf mein sicheres Postfach bei meinbrief.at zugestellt haben kann. Das hätte ich nicht tun sollen. Etwa eine dreiviertel Stunde darf ich nun zuhören, was sich die Leute im Bundeskanzleramt nicht alles ausdenken und um wie viel anders die Praxis in einem wirklichen Amt sei. Wohl wahr.

 

Dann die Schlussenttäuschung. Ich solle draußen warten bis ich aufgerufen werde. Ob ich dann das benötigte Dokument erhalte. Nein, es gehe darum einen Termin zu vereinbaren, wann ich es abholen könne. Ob dies das propagierte One Stop Shopping sei. Fremdsprachen spreche man hieramts nicht.

 

Im Amt gelebtes eGovernment wird es sicher geben – dann, wenn die derzeitige Beamtengeneration in Pension ist und die heutigen Kids Beamte geworden sind.

 

( )

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