(23.9.2011, 15:25) Android wird wohl im laufenden Quartal die 50% Marke locker überspringen. Aber dem steilen Aufstieg könnte genauso gut ein noch heftigerer Absturz folgen. Android und Google sind im Moment einigen massiven Bedrohungen ausgesetzt: Klage von Oracle, die Klagen von Apple und Microsoft gegen die Produzenten von Android Smartphones und Googles Akquisition von Motorola.
Oracle vs Google
Oracle hat Google wegen der Verletzung von sieben Patenten sowie von Urheberrechten Mitte vorigen Jahres geklagt. Am 31. Oktober wird der Prozess vor einer Jury in San Francisco beginnen, so die laufenden Vermittlungsgespräche scheitern, wovon aber auszugehen ist.
In jüngster Zeit sind in den Medien wilde Gerüchte herumgeschwirrt, was Google an Oracle als Entschädigung zu zahlen habe. Genannt wurde so ziemlich alles zwischen 100 Millionen und 13 Milliarden Dollar und teils sogar nördlich davon.
Aber hohe Entschädigungs- und Lizenzzahlungen sind offenbar nicht das Hauptziel von Oracle. Einem Schriftsatz, den Oracle heute bei Gericht deponiert hat, und über den Florian Müller im Foss Patents Blog berichtet, ist zu entnehmen, dass Oracle offenbar auf ein komplettes Verbot von Android abzielt.
Der Schlüsselsatz lautet: „Oracle verfolgt energisch das Ziel ein Verbot zu erreichen, um das Schlüsselthema in diesem Prozess zu lösen: Darf Google Oracles geistiges Eigentum verwenden um einen inkompatiblen Java Klone zu produzieren und damit das Investment von Oracle und vielen anderen unterminieren in ‚Schreibe einmal und lass es überall laufen‘.“
Der Hintergrund dafür ist, dass Oracle durch den Kauf von sun sehr viel in Java investiert hat und die Java Virtual Machine (JVM) auch in seiner Hardware, dem Exalogic Computer, integriert hat. Android Programme sind dazu aber nicht kompatibel. Oracle möchte Google offenbar zwingen, die JVM zu verwenden. Das ist wichtiger als Lizenzen zu kassieren. Oracle möchte Lizenzen für die bisherige Verwendung, die sich auf rund 1 Milliarde Dollar summieren könnten sowie das Verbot der Nutzung von Java in der jetzigen Form.
Stimmt das Gericht einem Verbot zu, dann hat Google ein riesiges Problem und Android ist zumindest in der heutigen Form tot. Die Chancen dafür stehen für Oracle laut Florian Müller nicht so schlecht.
Apple und Microsoft vs Android
Sowohl Apple als auch Microsoft haben Klagen gegen die Hersteller von Smartphones und Tablets mit Android eingereicht. In einem Fall soll Microsoft schon einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen haben, nach dem Microsoft 15 Dollar Lizenzgebühr pro Gerät bekommt. Das wird voraussichtlich auch alle anderen Hersteller treffen und Android unattraktiver machen.
Apple ist offensichtlich nicht auf Geld, sondern auf ein Verbot der Konkurrenz aus. Wie die Chancen dabei stehen ist im Moment noch schwer abzuschätzen, das am 13. Oktober bei dem gleichen Gericht wie die Causa Oracle vs Google beginnende Verfahren könnte erste Aufschlüsse geben. Ausweichlösungen scheinen jedoch möglich zu sein, ob dies die Attraktivität von Android schmälern kann, bleibt noch abzuwarten.
Google und Motorola
Alle Android OEMs müssen fürchten, dass Google ihnen mit Motorola übremächtige Konkurrenz machen könnte. Deshalb haben etwa Samsung und HTC auch schon öffentlich erklärt, vermehrt auf eigene Software setzen zu wollen. Samsung ist mit Bada dabei schon sehr gut unterwegs, denn Bada erreichte im Q2 bereits etwa 7% Marktanteil. Je näher die Übernahme von Motorola durch Google rückt, umso stärker werden die anderen alternative und möglichst eigene Lösungen pushen. Samsung hat auch schon angekündigt Bada veröffentlichen zu wollen, wie dies früher Nokia mit Symbian gemacht hat.
Zukunftsszenarien
Wie das Jahr 2013 aussehen wird, ist derzeit überhaupt nicht vorhersagbar und hängt weitgehend von Gerichtsentscheiden ab. Es kann sein, dass
- es gar kein Android mehr gibt,
- es Android nur mehr bei Google/Motorola gibt
- oder Android 60% Marktanteil hat.