(1.1.2011, 19:15) In den USA wird „cord cutting“ – die Abmeldung des Kabelanschlusses – zum immer häufigeren Phänomen. Der Grund ist fast immer das zunehmende kostenfreie Angebot via Internet. Dieses wird via PC oder Media Tablet konsumiert. Angeblich sind schon etwa 3.000 TV-Kanäle via Internet kostenfrei empfangbar. Es gibt Seiten, die ein Geschäft daraus machen und zwar gegen eine Einmalgebühr für den User die Links zu suchen über die man fast jeden TV-Kanal via Internet empfangen kann. Ähnliche Services finden sich auf http://www.tvkanale.net/ und auf http://www.myeasytv.com/.
Auch für TV gilt, was die Musikindustrie schmerzvoll lernen musste und was derzeit auch die US-Regierung mit WikiLeaks erfahren hatte: Was im Internet ist, bleibt im Internet. Gerichte, Sperren und andere Verfolgungshandlungen brachten die Musik nach Napster nicht mehr weg aus dem Internet und werden nun auch die TV-Kanäle nicht mehr wegbekommen.
Premium Content war und ist meist kostenpflichtig. Die beiden größten Bereiche sind Filme und Sport, wo auch die Rechte-Situation eindeutig ist. Sky bietet etwa sein Filmpaket sowie das Fußball-Bundesliga- und das allgemeine Sport-Paket um heftige 32,90 Euro im Monat an. Sportsender sind daher eines der ersten Ziele um sie im Internet zu streamen.
Den größten US-Sportsender ESPN findet man nunmehr schon an vielen Adressen, wie etwa DirectOn.tv, Justin.tv, atdhe.net (eine Linksite) oder direkt bei espa.tv. Auf diesen Seiten findet man Sport in HD-Qualität mehr oder weniger rund um die Uhr. Dazu gehören die englische Premier League, Fußball aus anderen europäischen Ländern, American Football - im Moment viele Spiele parallel, Tennis, Eishockey, Basketball und einiges mehr.
Die legale Situation
Grundsätzlich haben die Veranstalter die Rechte, bei Filmen die Produzenten. Restreaming von Content ist meist also eine ähnliche Piratenaktion, wie dies bei Napster de Fall war. TVCatchup hat ungefähr 50 Sender auf seiner Liste und sieht sich derzeit aber bei Gericht mit einigen diese Stationen.
Ähnlich FilmOn.com, die für das iPad den Empfang 32 plus 4 XXX-Sender kostenpflichtig anbietet – für eine Minute kostenlos um dann ein Paket um 20 Dollar pro Monat. Das geht offenbar nur bei iPad-Usern, denn was hier den Preis rechtfertigen soll, ist mir nicht ganz klar. BBC, CNN oder Bloomberg ist aus zig anderen Quellen verfügbar, die XXX-Channels rechtfertigen wohl auch kaum Bezahlung, da nun die meistbesuchte Pornoseite youporn.com sogar schon am iPad betrachtet werden kann (hier hat man rasch reagiert und Flash nicht mehr zur Voraussetzung gemacht). Das Filmangebot ist eher mager und nicht als Video on Demand organisiert. FilmOn ist im Clinch mit Fox, CBC, ABC und NBC.
In ähnliche Probleme ist GoogleTV gelaufen, dem der Zugang von den gleichen Stationen gesperrt wurde und hat obendrein noch Probleme mit der Software.
Auch der Schweizer Zattoo.ch, die ebenfalls etwa 50 hauptsächlich deutschsprachige Kanäle anbietet, musste kürzlich ihr Service dank Druck der Sender auf Schweizer IP-Adressen einschränken.
Offene versus geschlossene Systeme
Das Paradebeispiel für ein geschlossenes System ist AppleTV. Durchgängig einfach bedienbar, aber man zahlt wie in iTunes grundsätzlich für alles und jedes. Zugang in’s freie Internet wird verhindert. Das Modell versucht aber nicht nur Apple, sondern auch Hersteller von Set Top Boxen wie Triax umzusetzen. Die neue Hybrid 600S Box hat auch einen Internet Anschluss, mit dem man aber – nein – nicht ins Internet, sondern nur auf eine Website kommt, auf der teils freie aber überwiegend kostenpflichtige Angebote zu finden sind.
Auch die TV-Geräte von Sony, Philips und Samsung, die angeblich einen Internet-Anschluss haben, ermöglichen in Wirklichkeit nur eine Verbindung via Internet zu einer eignen Site des Herstellers von der aus, man nach deren Gutdünken auf Websites weitergehen oder Apps laden darf. Die Behauptung des Internet-Zuganges ist gelinde gesagt also irreführend.
Ein anderes Modell fährt Ivy TV wo man um 4,99 pro Monat Zugang zu etwa 50 Senden erhält. Ähnlich Direct.tv, das 160 Channels, daunte alle wichtigen Spotchannels, um 29,99 Dollar pro Monat anbietet.
Das einzige Modell, das aus Sicht des Users Sinn macht ist ein offenes. Das heißt, ich möchte ein Betriebssystem mit mindestens einem vorinstalliertem Browser – dann habe ich die Freiheit mir im Internet das zu suchen, was ich möchte. GoogleTV ging in diese Richtung, aber nach dem jüngstem Rückzug ist die weitere Richtung fraglich.
Es gibt aber noch eine einfache Lösung: Neue Notebooks kommen bereits mit einem HDMI-Anschluss, an den man völlig problemlos ein Flat-TV-Gerät anschließen kann – und TV via Internet steht einem völlig offen.
Internet TV – die Zukunft
Online TV Streaming hat sich mittlerweile fix etabliert und wird weiter wachsen. Hulu und Netflix werden weiter in den USA Erfolge mit Online Content erzielen und Nutzer gewinnen und den Content erweitern. AppleTV wird sicher weiter wachsen und Google wird seinen Act zusammenkriegen und wahrscheinlich bezahltes Streaming anbieten.
Im nächsten Jahr wird eine Reihe weiterer Geräte auf den Markt kommen, die meisten wahrscheinlich auf Android basiert, die aus dem Fernseher ein Smartphone mit besonders großem Display machen werden.
Interessanter Content von TV-Stationen – was übrigens dem ORF eine ziemliche Schonfrist geben wird – wird auf immer mehr Websites auftauchen und zwar kostenlos. Die Geschäftsmodelle werden sich rund um Werbung, etwa Vorschaltclips entwickeln, und eine hohe Integration in Social Media wird dabei helfen.
Die TV-Stationen werden sich zum Teil so wehren, wie das die Musikindustrie getan hat. Die Schlaueren werden daraus gelernt haben und sehr frühzeitig via Internet verdienen.
Internet und TV werden in 2011 endgültig zu einer Einheit verschmelzen.
[UPDATE, 2.1. 23:00] Eben wurde auf der Site mahalo.com die Frage von Jason Calacanis diskutiert, wer hinter ATDHE.net steht und wo es gehostet ist. Wie schon im Artikel oben beschrieben, stellt die Seite eine Linkliste zur Verfügung - kuratiert also Streams. Der Server ist in Stockholm gehostet, aber offenbar weiß niemand, wer dahint steht, denn die Registrierung lautet auf ein Postfach in Westchester, CA. Benutzer, die die Site schon 2 Jahre benutzen, äußern sich zufrieden über die Qualität und berichten, dass die Seite nie irgendeinen Download verlangt hat.
Jason Calacanis ist ein bekannter Entrepreneuer und giftiger Blogger. Seine jüngste Gründung ist das Open Angel Forum und davor mahalo.com eine "human powered search egine".
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