(09.02.2012, 13:30) Der chinesische Auftragshersteller Foxconn wurde Opfer einer Hack-Attacke der Gruppe SwaggSec. Unter anderem wurden Zugangsdaten diverser Foxconn-Mitarbeiter, darunter auch jene von Firmenchef Terry Gou, veröffentlicht und Kontodaten Apples zugänglich gemacht.
Ein Exploit in einer ungepatchten Version des Internet Explorers eines Mitarbeiters machte es möglich, virtuell Zugang zu internen Unternehmensdaten zu erlangen. Dabei wurde eine Datei mit Login-Informationen und Passwörtern zu Foxconns E-Mail-Servern und Intranet online gestellt. Die Datei war kurze Zeit darauf nicht mehr aufrufbar, weshalb die Hacker sie über The Pirate Bay einstellten und so öffentlich machten.
In den Unterlagen fanden sich unter anderem das Kundenprofil von Apple – inklusive Bankverbindungsdaten. Foxconn hat bereits reagiert und diverse Server abgeschaltet, ließ die Hackergruppe auf Twitter verkünden. Das Unternehmen hat sich noch nicht zu dem Vorfall geäußert.
Das Motiv des Angriffs ist derzeit noch unklar, allerdings stand das Unternehmen in jüngster Zeit immer stärker wegen seiner bedenklichen Arbeitsbedingungen in Kritik. Vor allem eine Serie von Selbstmorden im Jahr 2010 führte zu medialem Aufsehen. Zusätzlich wurde bekannt, dass es in den Fabrikshallen des Unternehmens Sprechverbot gäbe sowie Arbeitszeiten, die Menschen an die äußersten Grenzen körperlicher Ausdauer gehen lassen. Auch Sicherheitsvorkehrungen sind mangelhaft, was in der Vergangenheit zu schweren Arbeitsunfällen mit Toten und Verletzen führte.
Erst kürzlich hat der bekannten Apple-Zulieferer für negative Schlagzeilen gesorgt, nachdem mehr als 300 Angestellte des Unternehmens mit kollektivem Massenselbstmord gedroht hatten, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht ändern würden. Die Arbeiter waren mit der Herstellung von Xbox 360 Konsolen beschäftigt und einigten sich darauf, gemeinsam vom Dach der Fabrik zu springen. Vor kurzem führte auch ein Bericht der New York Times zu erneuter Diskussion über die Arbeitsbedingungen und den Umgang mit Mitarbeitern bei Foxconn. Der bekannte Konzern soll sich dem Bericht nach ausschließlich auf Gewinnzahlen konzentrieren und mit diesem Fokus unmenschliche Arbeitsbedingungen zulassen. Die Ankläger machten auch Apple für eine Serie von tödlichen Arbeitsunfällen mitverantwortlich.
SwaggSec verkündete aber, dass der Angriff nicht als Vegeltungschlag für die schlechte Behandlung der Arbeiter gedacht war und die Gruppe zwar über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn enttäuscht sei, diese aber nicht der primäre Grund für den Hack gewesen sind. Auch an Informationen zu Apple seien die Hacker nicht interessiert. Es scheint also eher die Möglichkeit gewesen zu sein, zeigen zu können, dass man es schafft in ein derartiges Unternehmen einzudringen, die den Anstoß zum Angriff gab.