(Wien, 15.5.2010) Ich habe heute dieses Fotos im 19. Bezirk als Schnappschuss aufgenommen und in Facebook gepostet. Darauf entspann sich eine lebhafte Kommentardiskussion, ob E-Autos überhaupt Zukunft haben – so hat der Grüne Christoph Chorherr hat vor kurzem in seinem Blog ventiliert, dass Verbrennungsmotoren noch Zukunft hätten, da man aus Algen günstig und umweltfreundlich Treibstoff gewinnen könne.
Meine Meinung ist: Der E-Motor verhält sich zum Verbrennungsmotor wie Internet zu Fernsehen. Ersteres die Zukunft, letzteres die Vergangenheit. (Deshalb war ich auch immer dafür, dass die durch digitales TV freigewordenen Funkfrequenzen das Internet kriegt und nicht das Fernsehen – übers Internet lässt sich alles übertragen, auch TV, umgekehrt nicht.)
Ähnlich Strom: Damit lassen sich Handys, Computer, das Internet und Autos betreiben. Mit Öl lässt sich wenigstens Strom machen. Die Behauptung, Elektroautos seien ein Nischenprodukt, wird immer wieder geschickt von der veränderungsunwilligen Autoindustrie lanciert. Eine Analyse der Deutschen Bank kommt jedenfalls zu anderen Schlüssen (nachzulesen in einem der ersten pfm-magazine aus 2008 - siehe unten).
Ein Ölkraftwerk hat einen Wirkungsgrad von 60 Prozent, ein Verbrennungsmotor im Normalbetrieb von um die 10 Prozent. Selbst wenn man also über den Umweg der Verstromung von Öl geht und die Verluste durch Übertragung, im Akku und im Motor einrechnet, sinkt noch immer der Ölverbrauch durch den Elektroantrieb!
Der theoretische Wirkungsgrad eines Benziners ist 37 Prozent, beim Diesel 42 Prozent. Der ausschlaggebende Wirkungsgrad am Hinterrad ist im Schnitt aber nur 10 Prozent. Warum ist das so? 95 Prozent der Fahrten sind unter 40 km, also kalter Motor, nie Idealdrehzahl -> lausiger Wirkungsgrad. Nebenaggregate wie Wasserpumpe, Kühlerventilator, Ölpumpe, Lichtmaschine, Hydraulikölpumpe und andere verbrauchen eine Menge Energie. Laut BMW lässt sich durch Elektrifizierung all dieser Nebenaggregate jeweils 2 Prozent Treibstoff sparen! Dadurch wird das Auto aber schwerer und technisch komplexer. Beim E-Motor gibt's die Nebenaggregate alle nicht. 3 Prozent lassen sich allein durch eine aerodynamisch günstigere Ausformung der Luftkühlereinlässe erreichen – ein E-Auto braucht das gar nicht und hat also die günstigste Aerodynamik.
Weitere Energieverluste treten auf an Kupplung und Getriebe, die es beim E-Auto überhaupt nicht gibt. Denn ein Drehstrommotor hat bei gleichem Wirkungsgrad ein gleiches Drehmoment von 0 bis 17.000 Umdrehungen - noch Fragen? Und dazu beim Bremsen Energierückgewinnung über den Motor.
Zur Umweltbilanz: Angeblich wird das alles kaputt gemacht durch die Energiekosten für den Akku, aber der Akku soll laut Vorgabe zu 100 Prozent recycelbar sein. Ein E-Motor ist so groß wie ein Fußball. Er braucht kein Motoröl, das alle x km getauscht werden muss, kein Getriebeöl, keine Kupplungsbelege. Verbrennungs-Motor, Getriebe, Kupplung, Kühler, Akku etc müssen auch recycelt werden - wer da besser abschneidet? Ich vermute das E-Auto über den Lebenszyklus gerechnet.
Noch ein kleines Schmankerl: Chorherr stellt fest, dass „ein Liter Benzin ca 10 kwh entspricht, so wiegt eine Bleibatterie, die diese Energiemenge speichern möchte, satte 300 kg.“ Dass von diesen 10 kWh aber nur ein Zehntel im Benzinmotor verwertet wird, verschweigt Chorherr.
Übrigens – wir haben das alles schon in der ersten Jahreshälfte 2008 ausführlich behandelt. Siehe
ausgaben Juni S22ff, April S38 ff, Februar S46 ff
Und noch eins: E-Autos zu promoten und die sinnlosen Telefonzellen auf Stromtankstellen umzurüsten halte ich für einen weiteren sehr cleveren Schachzug der Telekom Austria und Hannes Ametsreiter.

Was fehlt auf diesem Bild? Richtig - der Auspuff.