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Strategische Richtungen

 

Der Ausbau von Breitband-Internet ist essenziell für den Wirtschaftsstandort, wurde aber von der Politik nie ernst genommen. Das scheint sich nun dank der Ministerin im BMVIT, Abgeordneten von Wiens Stadtparlament und dem Chef der Telekom Austria zu ändern.

(Wien 3.5.2010) Erstmals seitdem ich journalistisch tätig bin, also seit 18 Jahren, habe ich ein gutes Gefühl, dass sich Österreich in die richtige Richtung mit seiner Infrastrukturpolitik bewegt. Die jüngste Entscheidung in diese Richtung war die Zuteilung der Digitalen Dividende, also der Frequenzbänder, die durch die Umstellung auf digitales Fernsehen frei wurden, an mobiles Breitband. Es ist nicht Mobilfunk versus Fernsehen, es geht um mobiles Breitband, um die breitflächige Versorgung mit Internet.

Was ist der Unterschied? Die fraglichen Frequenzen werden nicht zum Telefonieren verwendet, sondern eben für mobiles Breitband. Darüber kann alles transportiert werden -  Sprache, Fernsehen, Video, Bilder oder auch Daten aus dem SAP-System eines Unternehmens. Es gibt keine Einschränkung - die Frequenzen stehen für alles zur Verfügung, was digital transportiert werden kann, Multi Purpose also. Hätte die Frequenzen dagegen der ORS, die Senderkette des ORF erhalten, wäre die Nutzung auf Radio und Fernsehen beschränkt, Single Purpose also. Das Internet Protokoll ist die Zukunft, die TV-Nutzung die Vergangenheit.

Politik trägt Entscheidung
Die Entscheidung fiel also für die Zukunft. Und – das ist neu in der heimischen Politszene -  sie wurde auch von den zuständigen und hochrangigen Politikern Doris Bures und Josef Ostermayer getragen. Die Entscheidung wurde auch von der ÖVP-Technologiesprecherin Karin Hakl ausdrücklich unterstützt. Aber insbesondere in der SPÖ hat sich um Technologiesprecher Kurt Gartlehner und IKT-Sprecherin Barbara Novak offenbar ein Think Tank gebildet, der weitreichende strategische Entscheidungen positiv beeinflusst und eine breitere politische Basis geschaffen hat. In der ÖVP hat man den Eindruck, dass Karin Hakl noch immer eine Einzelkämpferin ist.

Eine ähnlich weit reichende Entscheidung fiel schon vor einem Jahr, ebenfalls von Doris Bures getragen und offenbar mit dem damals gerade zum Generaldirektor der Telekom Austria ernannten Hannes Ametsreiter akkordiert. Es wurde das Telekom Gesetz so abgeändert, dass der Ausbau einer sehr breitbandigen Infrastruktur drastisch erleichtert wurde.

Neue Schwerpuntke der TA
In der Zwischenzeit hat die Telekom Austria ihre Schwerpunkte merklich verschoben. Von der wilden Einkaufspolitik in osteuropäischen Ländern ist man zugunsten des Ausbaus eines Breitbandnetzes deutlich abgerückt. Denn die breitbandigen IP-Technologien stellen für den Mobilfunk eine genauso starke Bedrohung dar, wie es der Mobilfunk für das Festnetz war. Telefonie, auch die mobile, wird in naher Zukunft über Datenverbindungen laufen und damit wird dem Mobilfunk der größte Teil seines Umsatzes wegbrechen. Sprache macht heute noch rund 80 Prozent aus. Mit neueren Handys telefoniert man zu Hause problemlos und kostenlos über Wlan und Internet und immer mehr Anteile der Kommunikation verlagern sich ins Internet dank Web 2.0 Technologien wie Facebook, Xing, Twitter und ähnlichem.

Die strategische Richtung der TA, breitbandiges Internet massiv zu forcieren, ist daher vollkommen richtig. Und Österreich kann nun auch dank der zukunftsweisenden Entscheidung über die Digitale Dividende auf dem Gebiet mobiles Breitband weiter vorne mitspielen. Wir sind allerdings beim Glasfaserausbau gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen geraten. Durch die schon angesprochene Änderung des TKG wurde aber ein Rahmen für eine rasche Ausholjagd geschaffen. Was noch fehlt ist, dass die Eigner von Infrastruktur enger kooperieren. In Wien sind im Besitz der Stadt über 2000 km Glasnetz, die bisher viel zu wenig genutzt werden. Allerdings scheint auch hier jetzt eine starke Bereitschaft gegeben zu sein, gemeinsam mit Telekom-Anbietern aktiv zu werden und auch finanzielle Mittel dafür zur Verfügung zu stellen.

Zunahme des Traffic durch Web 2.0
Mit Web 2.0 wird der Internet-Traffic weiter massiv zunehmen. Die Teilnahme am gesellschaftlichen und sozialen Leben, wird sich immer mehr ins Internet verlagern. Das gilt in gleichem Maß für wirtschaftliche Prozesse – anders gesagt: Das Wachstum der Wirtschaft ist massiv auf eine flächendeckende, breitbandigste Infrastruktur angewiesen.

Eine weitere originelle strategische Weichenstellung gibt die TA nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe bekannt: Telefonzellen sollen zu Stromtankstellen ausgebaut werden. Der erste Pilot geht Anfang Mai in Betrieb. In ihrer Aussendung bezeichnet die TA dies selbst „als großen Schritt für heimische e-mobility“.

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