(17.8.2011, 20:15) Die Bezeichnung „Smartphones“, die noch die „Phones“ im Namen haben, geht an der Sache mittlerweile vorbei. Wir kaufen kleinere oder größere Tablet Computer oder Media-Tablets mit einem 3,5 bis 12 Zoll großen Display. Mit einigen davon kann man noch telefonieren, mit immer mehr dagegen nicht. Beispiele für die, mit denen man nicht telefonieren kann – so man natürlich nicht irgendeine App wie Skype dafür nutzt – sind das iPod Touch, das iPad, das Motorola Xoom, das Galaxy Tab 10.1 und noch eine ganze Reihe anderer Geräte.
Als Betriebssysteme dominieren mit mehr als 50% verschiedene Derivate von Linux, das bekanntlich für Großrechner und PCs entwickelt worden war. Lösungen im Bereich Mobile Business werden seit Jahren immer massiver eingesetzt und die meisten Außendienstler könnten ohne gar nicht mehr vernünftig arbeiten. Der Rückgang der PC Verkaufszahlen wird von den Marktforschern auch konsequent mit der
Zunahme der Tablet Verkäufe in Verbindung gebracht.
Wenn man sich die Geschichte des Personal Computings ansieht, lässt sich ein starker Trend zur Mobilität konstatieren. Der IBM PC kam 1981 auf den Markt, 1983 das erste portable Gerät, nämlich der Osborne 1. Laptops – zwar noch mit 7 Kilo und einem orangen Bildschirm - kamen 1987 auf den Markt. Der erste Tablet Computer war das ThinkPad von IBM im Jahr 1992. Mitte der 90er Jahre kamen eine größere Zahl von Pads, Palms (1996), PDAs, Organizern und ähnliches auf den Markt – die sich alle mehr oder weniger gut verkaufen ließen.
Das erste Gerät, das den Namen Smartphone verdient, ist wohl Nokias Communicator 9000, der im Jahr 1996 auf den Markt kam. Er besaß bereits die Fähigkeit, neben Kurznachrichten auch E-Mails und Faxe zu versenden und zu empfangen und mit einem HTML-fähigen Webbrowser auf Webseiten zuzugreifen. Dies gehörte damals sogar am PC noch nicht zum Standard.
Wie auch sein Nachfolger 9110 nutzte der 9000 das vom PC kommende DOS-basierte Betriebssystem PEN/GEOS, weshalb er hardwareseitig auch fast ein vollständiger IBM-PC im Hosentaschenformat war.
Ich habe den Communicator 9000 sowie die meisten Nachfolgemodelle genutzt. Der Grund dafür war niemals die Telefonfunktion, sondern immer die Möglichkeit des mobilen Computings. Ebenso hatte ich den Osborne 1 und so gut wie alle frühen Laptops, Notebooks und PDAs. Das Thema war immer mobiles Computing –
und natürlich ab Ende der 70er auch Connectivity.
Computing- oder Media-Tablets verfügen über immer bessere Möglichkeiten des Webzugriffs und elektronischer Kommunikation wie E-Mail, Chat und mehr. Nicht zu unterschätzen sind Gaming – was bekanntlich ordentliche Rechenleistung erfordert - und maßgeschneiderte Business Lösungen.
Bei Smartphones und Tablets interessieren Rechenleistung, Speicherplatz und Funktionalität via Apps oder Web-Apps. Connectivity via Wlan oder 3G ist sozusagen nur mehr eine nötige Nebensache, die meist nur für Ärger sorgt, aber kein Unterscheidungsmerkmal oder Verkaufsargument ist. So hatte das erste iPhone nicht einmal 3G – und war trotzdem verkäuflich.
Kein Wunder auch, dass sich die Unternehmen, die aus der Handybranche kommen immer mehr Probleme mit den Smartphones haben, die die aus der Computerbranche kommen, aber am Höhenflug sind. Apple baut mehr oder weniger große Computer (und Media-Tablets wie das iPod Touch), einige davon auch mit Mobilfunkteil.
Nokia dagegen, obwohl es die ersten Smartphones am Markt hatte, motzt noch immer Handys mit Computerfunktionen auf.
Der Paradigmenwechsel wird durch die Tablets vermutlich nun stark beschleunigt. Ein denkbarer Effekt wäre das Revival eines ganz billigen, kleinen „dummen“ Handys mit dem man telefonieren und SMSen kann und das man neben dem Tablet mit sich trägt.