(20.7.2011, 11:10) Ein administrativer Richter der ITC (International Trade Commission) hat vorigen Freitag bei zwei Patenten zugunsten Apple entschieden. Apple hatte wegen Verletzung von insgesamt 10 Patenten eine Importsperre für die Smartphones von HTC beantragt.
Die den Patenten zugrunde liegenden Technologien sind aber tief in das Betriebssystem Android integriert, womit natürlich nicht nur HTC, sondern auch alle anderen Erzeuger von Smartphones mit Android betroffen wären.
Das erste Patent bezieht sich darauf, dass beim Empfang einer Nachricht wichtige Teile wie Nummern, eMail-Adressen oder Straßennamen unterstrichen und angeklickt werden können. Darauf hat Apple ein Patent. (Anmerkung: So weit ich mich entsinne, sind derartige Funktion in Nokias Handys allerdings schon sehr lange verfügbar.)
Das zweite Patent bezieht sich auf die Verarbeitung von Signalen in Echtzeit. Eine Umgehung des Patents würde nach Expertenmeinung ein tiefgehende Umarbeitung von Android, möglicherweise sogar des Linux-Kernels erfordern.
In den USA sind derzeit 48 Prozesse anhängig, die Android angreifen. Üblicherweise folgen Gerichten den Sprüchen der ITC. Dieser ist allerdings noch nicht endgültig, er muss noch von einem Sechser-Senat bestätigt werden, was bis zum 6. Dezember geschehen wird. Sollte die Bestätigung erfolgen, wird die Lage für die Hersteller von Android-Geräten schwierig.
Gegen Android ist auch noch die Klage von Oracle wegen der angeblichen Verletzung von Patenten und Urheberrechten anhängig. Auch Microsoft hat mehrere Klagen eingebracht und es wird angenommen, dass es wahrscheinlich etwa 10 Dollar an Lizenzgebühren pro Gerät einsammeln wird können.
Bei der Google Mobile Revolution Konferenz in Tokio erklärte allerdings Googles Chairman Eric Schmidt gestern, dass er „nicht zu besorgt darüber“ sei. Die Konkurrenz reagiere eben mit Klagen auf die Erfolge von Android. Was Google genau vorhat um den Hersteller aus Taiwan zu unterstützen wollte Schmidt auch auf Fragen nicht näher erläutern, so ZDNet Asia. Er erklärte nur „Wir werden sicherstellen, dass sie nicht verlieren“.
Zählt man alle möglichen Patente zusammen - Oracle, Microsoft, RIM (bzw. Nortel), Nokia, HP/Palm und Apple, könnten pro Smartphone sehr wohl bis zu 60 Dollar an Lizenzgebühren anfallen. Und das wäre eindeutig zu viel um Android weiter nutzen zu können. Dabei aktiviert Google im Moment etwa 550.000 Geräte pro Tag. Das Wachstum betrug in den vergangenen Wochen rund 4,5% pro Woche, so dass also ab Mitte Oktober bereits 1 Million Geräte täglich neu ans Netz gehen könnten.
Ob und was also Google noch im Ärmel hat wird immer wichtiger. Eine Möglichkeit wäre, dass Google eine reduzierte Version von Android bastelt, die keine Patente mehr verletzt und zusätzlichen Funktionen über Apps verfügbar gemacht werden, wofür dann erheblich weniger oder gar keine Gebühren fällig wären.
( )© Telekom-Presse
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