Was sich in Österreich mit Handytarifen abspielt, grenzt an Selbstmord mit Anlauf. Der Inder forderte zum Verhandeln auf und die Kunden tun es höchst erfolgreich.
(Wien, 23.1.2010) Österreich war schon immer das Billig-Tarif-Land. Aber was jetzt an Tarifen angeboten wird, ist jenseits aller ökonomischer Vernunft.
Eine Freundin hat bei tele.ring jetzt mit einer Kündigungsdrohung folgenden unglaublichen Tarif heraus verhandelt: 300 Minuten, 1000 SMS und 1 Gigabyte Daten zum Preis von zwölf Euro pro Monat. Und dafür, dass sie nicht wechselt erhält sie in den ersten zehn Monaten eine Gutschrift von acht Euro monatlich, zahlt also nur vier (in Worten vier) Euro im Monat. Danach für weitere 14 Monate zwölf Euro monatlich.
Selbst wenn die Produktionskosten drastisch gesunken sind, übersteigen diese doch die Einnahmen. Alleine für Rechnung und Zahlungseingang sind ein Euro an Kosten anzusetzen, und von der Zahlung sind ja noch die inkludierten 20 Prozent Mehrwertsteuer abzuziehen. T-Mobile hat beim Kauf von tele.ring 1300 Euro pro Kunden bezahlt. Wie das mit diesen Tarifen je wieder zurück verdient werden soll, ist mir ein Rätsel.
Für die Kunden sind solche Tarife ja sehr erfreulich, aber für die Entwicklung der österreichischen Telekom-Infrastruktur denkbar schlecht. Investitionen sind damit offensichtlich nicht mehr finanzierbar. Meiner Meinung nach hat die Regulierungsbehörde nun wirklich dringenden Handlungsbedarf. Ein Szenario, das von der Branche auch immer häufiger gefordert wird, wäre die völlige Abschaffung der Terminierungsentgelte. Denn damit werden die Mobilfunker zu mehr Kostenwahrheit gezwungen und können bei der Preisbildung nicht mehr darauf spekulieren, dass so ein Niedrigtarif-Kunde wenigstens noch viele Anrufe erhält und sich damit eine Finanzierung über die Terminierung ergibt.
Ein Stopp der Investitionen in die Infrastruktur ist sehr schlecht für den Wirtschaftsstandort Österreich. Gerade in Zeiten wie diesen. Meine Frage also an den Regulierer: Wann und wodurch werden die Rahmenbedingungen so verändert, dass ein weiterer Ausbau der Infrastruktur gefördert wird?
guru, 27.01.2010
Schädliche Tarife
Das ist gerade das fatale an solchen Tarifen - sie verhindern den Ausbau der Infrastruktur. Einerseits liefern sie keinen Gewinn und anderseits ziehen sie weiter Kunden aus dem Festnetz ab. Und das Festnetz muss über die Terminierungsentgelte weiter den Mobilfunk subcentionieren. Für eine Minute von Mobilfunk zu Festnetz bekommt das Festnetz 0,7 Cent, umgekehrt aber mehr als 5 Cent! Und damit liegt auf der Hand warum solche Tarife sowohl möglich als auch schädlich für die Infrastruktur sind. Herr Regulator - bitte endlich aufwachen!
Antikurt, 25.01.2010
Na und
Selbst, wenn die t-mobile nur die Hälfte pro Kunden bezahlt hat - wie wollen sie auch das zurückverdienen? Irgendeine Rezept dafür Herr Kurt? Abegesehen davon, solche Tarife gibts ja nicht nur bei tele.ring, sondern durchaus auch bei den anderen. Und wenn der Herr Kurt das ok findet, dass sich die Branche zu Tode konkurriert, dann ist das halt nur eine inkompetente Meinung. Aber deshalb muss nicht durch eine falsche Regulierung die ganze Branche ruiniert werden. Da geht es um mehr, nämlich wie pfm richtig fetstellt um den Ausbau der Infrastruktur in unserem Land!
Kurt, 25.01.2010
Mobilfunktarife
t-mobile mag ja viel für einen Kunden bezahlt haben, aber 1300 Euro waren es ganz sicher nicht. Denn t-mobile bekam auch noch ein komplettes Fest- und Mobilnetz und zigtausende km Glasfaserkabelstrecken in Österreich. Da t-mobile jedoch selbst über ein Netz verfügte, wurde der Großteil des Netzes weiter verkauft - One (heute Orange) und 3 waren die Käufer. Damit hat sich der Preis je Kunden dramatisch verringert.
Als Fachjournalist sollte man solche Dinge doch wissen...
Übrigens: so wie A1 seinen bob hat, Orange sein Yes hat t-mobile sein tele.ring - was ist da so schlecht dran?
Als Journalist würde ich mir eher Sorgen machen, warum in Ballungsräumen noch immer kein Fiber to the Curb oder gar to the home vorhanden ist und warum rurale Gebiete so unterversorgt sind - nur das hängt nicht mit Mobilfunktarifen zusammen.
Moser, 25.01.2010
Abwesenheit
Mein Eindruck ist, dass die Regulierung durch geistige Abwesenheit glänzt. Abcashen und die TA machen lassen, das ist der Job des Regulierers.