Schule 2.0

 
Credit: Pixelio
 

Das aktuelle Schuljahr ist bereits voll im Gange. Zeit um mit der IKT-Brille einen Blick auf Österreichs Schulen zu werfen. Wie steht es um den Status Quo der Ausbildungsstätten in Anbetracht von Computer und Co?

(Wien, 4.11.2009) Overhead, Tafel und Kreide gehören definitiv zu den "Old School"-Utensilien in den Klassenzimmern. Heute arbeiten Lehrer oft schon mit interaktiven White-Boards, Schüler kommunizieren und lernen über E-Learning-Plattformen. In den USA gibt es unter dem Motto "A Kindle in Every Backpack" sogar Bestrebungen, jeden Schüler mit einen E-Book-Reader auszustatten (siehe Beitrag vom 15.7.2009). Telekom Presse hat sich bei Christian Dorninger vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) über die aktuelle Lage an Österreichs Schulen informiert.

 

Ausstattung

Laut der aktuellen Erhebung "IT in Schule und Universität" der Donauuniversität Krems im Auftrag des bm:ukk sind bereits alle Schulstandorte in Österreich vernetzt. 45 Prozent davon verfügen bereits über eine Breitbandverbindung, in Oberösterreich ist die Breitbandverbindung an den Schulen sogar flächendeckend. Laut der Erhebung kommt auf jeden achten Schüler ein Computer, an den Bundesschulen findet man eine Relation von 6:1, an HAKs und HTLs sogar eine Relation von 2,5:1 vor. Lernplattformen werden an 77 Prozent der weiterführenden Schulen genutzt und 26 Prozent der weiterführenden Schulen nehmen an dem Schulversuch "elearning in Notebook-Klassen" teil, bei dem das Notebook in nahezu allen Fächern als technisches Hilfsmittel verwendet wird. Hinsichtlich der verwendeten Programme gibt es laut Dorninger flächendeckende Lizenzverträge für Pflichtschulen beim bm:ukk. Dabei wird unter dem Motto "Zwei IT-Weltenpostulat" auf Vielfalt geachtet, denn die Schüler und Schülerinnen sollen neben Windows auch andere Betriebssysteme wie Linux oder Solaris kennenlernen.

 

Vernetzung

Hinsichtlich des Web 2.0 mangelt es laut Dorninger keinesfalls an Projekten, allerdings gibt es noch keine guten Evaluierungsdaten. Gute Teilergebnisse konnten bisher mit Schülerwikis, ePortfolios und der Integration von Social Networks erzielt werden. An der Pädagogischen Hochschule werden auch virtuelle Studienumgebungen, zum Beispiel in Second Life, erprobt. "Die Projektkultur in Schulnetzen wie zum Beispiel eLSA (eLearning im Schulalltag) oder eLC (eLearning Cluster) bietet ein umfangreiches Versuchsfeld. Berufsbildende Höhere Schulen und vor allem die kaufmännischen Schulen weisen eine hohe Versuchsdichte auf und gute Ergebnisse werden auch mit der Lehrerfortbildung erzielt, so zum Beispiel mit dem EU-Projekt EPICT", so Dorninger über die momentane Situation. Hinsichtlich der IKT im Schulalltag meint Dorninger allerdings, dass der Höhepunkt bereits gewissermaßen vorbei sei: "Es gibt keinen Hype mehr wie noch von 2000 bis 2004. An den Standorten, an denen der Gebrauchswert festgestellt wurde, wird eine Flächendeckung erreicht (circa 25 Prozent der Standorte). Sonst gestaltet sich die momentane Situation eher skeptisch und an wenigen Standorten ist auch ein regressiver Trend zu verzeichnen. Da aber bereits jetzt und in Zukunft viele Initiativen über Lernportale laufen, wird eine Grundversorgung an den Schulstandorten beispielsweise über Aufgaben für Bildungsstandards oder Reifeprüfungsaufgaben nur mehr über Portale laufen."

 

Future Learning

"Future Learning" ist die Dachmarke aller IKT-Initiativen, die vom bm:ukk und dem Landesschulrat geplant und finanziert werden. Als Initiativen im IT-Bereich hat es sich das Ministerium unter anderem zur Aufgabe gemacht zentrale Serviceleistungen wie Lernplattformen oder Open Source Produkte, sowie Podcastservices anzubieten. Durch verschiedene Projekte (Serious Gamebased learning, Active Boards) sollen zudem regelmäßig didaktische Ansätze forciert werden. Weiters sollen Bildungsstandards in den Bereichen "digitale Kompetenzen" und "angewandte Informatik" erreicht werden und die Verbindung zu Kultur- und Museumsportalen vorangetrieben werden.

 

IKT im Schulalltag

"Wir glauben an eine sinnvolle Nutzung von Universalcomputern beim Lernen, die auch für das Lesen von Texten, aber auch viele andere Unterrichtsaufgaben geeignet sind, und forcieren NotebookPC- und NetbookPC-Klassen mit mannigfacher Software. Mit Schulbuch extra gibt es das nichtgedruckte Schulbuch schon länger und circa 15 Prozent der Schüler und Lehrenden nutzen es", so Dorninger zum Einsatz digitaler Lesegeräte im Unterricht. Auf die Frage, wie man sich den Schulalltag 2020 vorstellen kann, gibt Dorninger eine nüchterne Antwort: "Man sollte sich nicht zu viel erwarten, auch wenn es noch zehn gute Jahre  bis dorthin sind. Am wichtigsten wäre ein möglichst gleichmäßiges Aufschließen aller Schulstandorte an den Stand der Pioniere und early adopters." Futuristische Vorstellung der voll digitalen Schule sind wohl fehl am Platz, zunächst geht es primär darum, aus dem elektronisch unterstütztem Lernen ein Alltagslernen zu machen. So heißt es in der Kurzfassung der "Futurelearning-Strategie" abschließend: "Future of learning wird viele Schritte setzen müssen, damit e-learning zum every day learning wird".  

 

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