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Mobile Datennetze vor massiven Problemen

 

Die explosiv ansteigenden Downloadraten machen die Netze vor allem auch in Österreich zu. Stehen wir vor Überlastung und drastischen Einschränkungen der Bandbreiten oder vor dem Ende der Flatrate? Darüber hat eine intensive internationale Diskussion eingesetzt.

(Wien, 1.8.2010) Immer häufiger beschweren sich User, dass Internetseiten bei der Verwendung von mobilen Netzen gar nicht mehr oder nur sehr langsam aufgehen. Eine Umfrage, die ich kürzlich in Facebook machte, zeigte, dass die User in allen Netzen dieses Phänomen beobachten und beklagen.

 

In Österreich ist das nun wirklich kein Wunder, denn Smartphones und mobiles Breitband ist bei uns so billig wie kaum woanders auf der Welt zu haben. Damit ist auch der Datenverkehr enorm gewachsen. Und mit der Einführung des iPad wird dieser Datenverkehr dank der Tarife, die zu den niedrigsten auf der ganzen Welt gehören, weiter rasant wachsen (siehe)

 

Internationale Probleme

Das Problem ist aber nicht nur bei uns bekannt. In den USA verzeichnete AT&T seit dem Jahr 2007 einen Zuwachs beim Datenverkehr um fast 5000 Prozent, wie das Fachmagazin Mobile Zeitgeist berichtet. Auch in Deutschland ist die Datenflut bereits angekommen. So titelte das Handelsblatt am 5.6. „Handynetze sind überlastet“.

 

Die österreichische Mobilfunkexpertin Karoline Simonitsch beschreibt in der Ausgabe 3/10 des Mobile Zeitgeist Special wie es dazu kommt: „Anstatt sich wie bisher jährlich zu verdoppeln, wächst das Datenaufkommen in UMTS-Netzen derzeit um rund 200 Prozent. Die Netzausbauten, Flatrates und Marketingkampagnen verfehl(t)en ihre Wirkung nicht und schlagen sich nun in rasant steigendem Datenverkehr nieder. Doch offenbar sind die Mobilfunker vom eigenen Erfolg überrascht, denn es scheint, als unterschätz(t)en die Mobilfunkbetreiber den Beschleunigungsfaktor im Datenverkehr.“

 

Die Empfehlungen der Berater

Auf einer Konferenz des Beratungskonzerns Arthur D. Little im April in Wien, bei der Vorstände von Mobilfunker aus 13 Ländern anwesend waren, empfahl ADL verstärkt auf den Verkauf von Smartphones mit Datentarifen und mobiles Internet zu setzen. Was für Auswirkungen das hat, beschreibt der Sprecher von A1 Telekom Austria, Werner Reiter gegenüber der ORF-Futurezone: „Je besser ausgestattet ein Smartphone ist, desto mehr nimmt auch der Traffic zu“. Laut Reiter sei das auch an den Blackberry Nutzern festzustellen: Die Datenvolumina bei neuen Blackberrys stiegen von typischen drei Megabyte pro Monat früher auf nunmehr 250 Megabyte und mehr.

 

Abschaffung der Flatrate

Simonitsch berichtet von Versuchen der Mobilfunker die Flatrates wieder einzuschränken oder zumindest Limits bei den Volumina einzuführen. Heise online berichtete gestern über ähnliche Diskussionen: „Lassen sich Staus im Netz durch variierende Preismodelle verhindern? Ja, meinten vier Ökonomen, die sich die Internet Engineering Task Force (IETF) zu ihrem Treffen diese Woche nach Maastricht geladen hatte, darunter auch der seit Juli 2007 als Chefökonom bei Google beschäftigte Hal Varian. Viele IETF-Entwickler sehen dies allerdings recht kritisch.“

 

Laut dem Manager Magazin vom 23.7. erwägt Deutsche Telekom Chef René Obermann auch Nutznießer wie Apple und Google zur Kasse zu bitten: „Überdies kündigte Obermann neue Geschäftsmodelle für das mobile Internet an. Das könnte Anbieter wie Google oder Apple betreffen, die das Mobilfunknetz bislang weitgehend kostenlos für ihre datenintensiven Dienste nutzen: ‚Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig‘, erklärte Obermann.“

 

Alternative Modelle

Das vielgepriesen neue Netz LTE (Long Term Evolution) ist jedenfalls keine Alternative, da UMTS/HSDPA technisch nicht mit LTE kompatibel sind und Geräte, daher entweder das eine oder das andere Netz nutzen.

 

Simonitsch verweist auf Studien von Orange in Frankreich: „Bei Orange haben interne Analysen ergeben, dass 40% des mobilen Sprach/Datenverkehrs im Privatkundenbereich zu Hause anfallen und über 40% der mobilen Telefonate im Büro getätigt werden. Für einen Mobilfunk/Festnetzanbieter liegt es also nahe einen Off-Load ins Festnetz zu machen. Genau dies macht Orange mit dem Produkt UNIK nach dem von der 3 GPP definierten GAN/UMA Standard. Mit der entsprechenden GAN App kann ein WiFi fähiges Endgerät das heimische WLAN als Access-Point für Sprache und Daten nutzen, einen entsprechenden Breitbandanschluss vorausgesetzt. Der Betreiber braucht einen entsprechenden UMA/GAN Network Controller. Unik wird für Privat/Geschäftskunden in Frankreich, Spanien, UK, Niederlande und Polen angeboten. Vergleichbare Lösungen bieten Betreiber wie T-Mobille USA oder Telia Sonera. Die Autoren fragen sich warum keine anderen Anbieter bzw. T-Mobile nur in den USA?“

 

Das ist natürlich auch für Österreich die Frage. Handeln ist offenbar dringend geboten bevor uns die Datenflut die mobilen Netze komplett verstopft.

 

 

 

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Reaktionen auf diesen Artikel



Werner Reiter, 07.08.2010
Die Antwort lautet Konvergenz
Mobilfunk ist und bleibt eine "shared ressource". Je mehr Nutzer im Verbreitungsgebiet einer Sendestation, desot mehr teilen sich auch die Bandbreite (auch bei LTE). In Ö ist es noch dazu so, dass ca. 80 % der Nutzung von mobilem Breitband zu Hause erfolgt. Da ist Festnetz aber die bessere Alternative. Konvergente Angebote bieten hohe Bandbreiten zu Hause und entlasten die Ressourcen für mobile Nutzung.


Hannes, 03.08.2010
Es lebe das Festnetz
Schönen Gruß an alle (auch Telekom-presse), die das Festnetz für tot erklärt haben.

 
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