(Wien, 25.8.2010) In der Blogosphäre und den anderen Medien sind Microsoft und Nokia was Zahl der Nennungen anlangt weit zurückgefallen. Office 2010, ja und? Nokia C6, gibt’s auch? Bei allen Trend- und Hype-Themen kommen weder Microsoft noch Nokia vor, obwohl sie nach vor Giganten und Marktführer sind.
Anfang der 80er Jahre war das Betriebssystem CP/M führend – bis IBM-DOS auf den Markt kam. Danach verschwand das Produkt der Firma Digital Research sehr rasch vom Markt und Microsoft schwang sich zum uneingeschränkten Dominator auf. Sicher, es war in erster Linie die Marketingpower von IBM, aber auch damals wurde – die damals noch relativ kleine IT-Öffentlichkeit – binnen weniger Monate von IBM und seinen PCs dominiert.
Mitte der 90er Jahre war Ericsson der führende Hersteller von Handys, noch vor Nokia. Das typische Mobilo für Damen war ein Klapphandy aus Schweden. Das klassische Handy hatte damals ein einzeiliges, oder maximal ein zweizeiliges Display, mit hellgrüner Schrift auf dunkelgrünem Hintergrund. Aber ab Mitte der 90er kamen Geräte mit mehrzeiligen Displays. Facebook gab’s damals zwar noch nicht, aber SMS schreiben oder die Kontakte ansehen war auf größeren Displays einfach komfortabler. Und Ericsson verlor ziemlich schnell seine Marktanteile an Nokia. Die Finnen waren auch in allen Medien gehypt.
Sicher, die damaligen Marktverhältnisse sind nicht vergleichbar und die Ereignisse lassen sich nicht übertragen. Allein die Marktvolumina unterscheiden sich schon um mehrere Größenordnungen und Microsoft hat eine Unzahl von Standbeinen und vor allem im B2B-Markt eine extrem starke Position und hervorragende Produkte. Aber alle Marktforscher werden nicht müde zu betonen, dass der Consumer-Markt ein Vorläufer für’s Business ist.
Insbesondere der Smartphone Markt und - seit dem Erscheinen des iPad - die Tablets werden auch den PC-Markt im Business und letztlich auch die Unternehmens-IT gründlich aufmischen. Und hier sind die Betriebssysteme iOS sowie Android eindeutig führend und setzen völlig neue Maßstäbe beim Thema Usability. Wobei Android ein Open Source Produkt ist und auf einem Betriebssystem basiert, das auch auf den allergrößten Servern im Einsatz ist. Tablets, das iPad, werden aber immer mehr zum Ersatz für Notebooks und lassen meiner Meinung nach das Netbook eines schnellen Todes sterben und werden auch den Notebooks drastisch Marktanteile abknabbern.
Für iOS, Android und mit Einschränkungen für das BlackBerry Betriebssystem kommen ständig neue, innovative und extrem benutzerfreundliche Apps auf den Markt und in die Stores und bieten einen wirklichen Mehrwert. Wo ist Nokia? Die Finnen setzen weiter hartnäckig auf ihr Symbian, das aber hoffnungslos veraltet ist.
Und was macht Microsoft? Ich lese immer wieder in meinem Tweetstream verärgerte Kommentare, wenn User Windows 7 in Betrieb nehmen. Auch meine Erfahrungen sind nicht eben positiv und tatsächlich greife ich mein Netbook nicht mehr an, weil ich mit Windows 7 einfach nicht wirklich zurechtkomme. Es sind so die Kleinigkeiten – veränderte Dateistrukturen und die neu eingeführten „Bibliotheken“, die es mühsam machen, noch etwas zu finden. Du steckst ein neues Gerät an einen Breitbandanschluss an und Windows 7 fragt nach dem Benutzernamen und einer Kennung. Mit XP ging das immer völlig problemlos, man war sofort im Internet und auch mit Vista im gab’s Großen und Ganzen keine Troubles.
Oder Outlook 2010: Ein Import aus Outlook Express ist im Gegensatz zu Outlook 2007 nicht mehr vorgesehen .... Dafür gibt es jetzt die Ribbons, die eine Formatierung einer Mail im Layout einer Zeitschrift leicht machen – nur, wer braucht das? Dafür gibt es nicht mehr wie in Outlook 2007 und davor die Schaltfläche „Datendateien“ aus der man für Sicherungszwecke den Speicherort der Outlook-Dateien erfährt.
Angesichts dieser für alteingesessene Windows User, wie z.B. ich einer bin, nicht nachvollziehbaren und mit erheblichen Lernaufwand verbundenen Änderungen, stellt sich die Frage, ob man nicht gleich auf ein kostenloses Open Source Betriebssystem wie Ubuntu und auf Open Office wechseln soll. Und ich frage mich, warum ich für Microsoft Office noch 250 Euro auf den Tisch blättern soll.
Und natürlich das Thema Social Media. Weder Nokia noch Microsoft haben dabei irgendeine eigenständige Präsenz. Mobile User in Facebook – Nokia kommt in der Statistik von Facebook nicht einmal vor (siehe). Microsoft ist schon sehr spät auf den Internet-Zug aufgesprungen. Sicher Sharepoint ist ein exzellentes Produkt für Unternehmen, vor allem in der Version 2010 (siehe).
Ein weiter wichtiger Trend ist die Mobilisierung der Workforce. Und die spielt sich in zunehmendem Maße auf Android, BlackBerry und iOS ab. Wobei Android die größte Gefahr repräsentiert, denn wenn Unternehmen dazu Know how aufbauen (müssen), dann fällt die größte bisher existierende Barriere gegen den Einsatz von Linux in Unternehmen weg – nämlich Personal zu haben, das sich damit auskennt. Und mit der App-Flut für Android wächst auch die Zahl der Techniker, die sich genau damit auskennen und damit werden sie auch kostengünstiger.
Ich bin gespannt, ob Microsoft und Nokia ihre strategischen Ausrichtungen noch rechtzeitig anpassen können und werden. Übrigens: Noch ein anderes Unternehmen, nämlich Oracle, hat sich mit seinen jüngsten Aktionen nicht unbedingt geholfen. Die Klage gegen Google wegen Patentrechtsverletzungen bei Android (siehe) wird von der Open Source Community genauso übel genommen wie die Heimlichtuerei um Solaris Version 11 (siehe).
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