(Wien, 6.4.2010) Als mobiler Mensch des Jahres 2010 musste ich natürlich zwischen Smartphone und Notebook ein Netbook einschieben. Damit ich in Facebook (Gesichtsbuch für Deutschfanatiker wie den steirischen FPÖ-Vormann) besser meinen Status beschreiben kann, wenn ich das 3,5 Kilo Notebook nicht mit habe.
Die Trilogie Redaktions-PC, Notebook und Netbook hat XP, Vista und 7 zur Folge. Und mir kommt vor, dass sich das Userinterface (die Benutzeroberfläche) verschlechtert hat. Verbessert hat sich sicherlich die Stabilität – ich kann mich an keinen einzigen Absturz von Vista erinnern – , die Sicherheit und das Management der Kommunikation (Wlan, mobiles Internet, Bluetooth, ..). Für den Enduser sind das aber nicht unbedingt sichtbare Goodies und daher auch keine Anreize zum Kauf. Daher versucht Microsoft immer wieder auch die Benutzung zu verbessern – leider nicht unbedingt erfolgreich.
In XP hatte man noch Eigene Dateien und Eigene Bilder. Die wurden in Vista abgeschafft und durch Dokument, Bilder Videos, Vorlagen oder Downloads ersetzt. In 7 gibt es nun Bibliotheken, deren Sinn sich mir jedenfalls noch nicht erschlossen hat. Unter Bibliotheken findet man Dokumente und Bilder, und bei den Dokumenten finde ich die kryptische Erläuterung „Hierzu gehören 2 Orte“: nämlich Eigene Dokumente und Öffentliche Dokumente.
Als Unterordner zu Desktop gibt es aber nicht nur Bibliotheken, sondern unter meinem Usernamen wieder einen Desktop und – Eigene Dokumente. Und nachdem ich meine eigenen Dateien nach Eigene Dokumente kopiert hatte, finde ich sie nun im Explorer auch zwei Mal. Dafür findet Word meine benutzerdefinierten Vorlagen nicht mehr, obwohl sie an der gleichen Stelle stehen wie vorher unter Vista.
Das Problem ist also Kontinuität versus Innovation. Die User schmeißen ihre Dateien und existierende Computer nicht weg, sondern nutzen sie auch dann weiter, wenn es neue Versionen von Betriebssystemen gibt. Und wollen natürlich bewährte eigene Ordnungen weiter behalten.
Auch andere Änderungen der Benutzeroberfläche von Windows 7 sehe ich eher als Rückschritt. Ein wirkliches Problem ist die Steuerung von Maus und Fenstern. Beim Verschieben ändern Fenster völlig willkürlich ihre Größe und den gezeigten Ausschnitt. Auch reine Mausbewegungen variieren auf undurchschaubare Art und Weise Fenstergrößen, Ausschnitte und Positionen. Und immer wieder taucht ein komisches kleines Symbol auf, vorzugsweise in der Nähe von Schaltflächen, und verhindert die weitere Mausbewegung in die Richtung der im Symbol angezeigten Pfeile. Es braucht meist mehrere Anläufe, bis der Cursor dort steht wo er soll. Was da die Absicht von Microsoft war, ist mir jedenfalls nicht klar.
Und noch ein Punkt, den nicht nur ich kritisiere. Unter 7 muss man noch häufiger bestätigen, dass etwas fortgesetzt werden soll, was man gerade gestartet hat oder von dem man keine Ahnung hat worum es geht. Ich sehe nicht, wie das meine Sicherheit verbessert, da man diese Bestätigung ohnehin blind und automatisch gibt.
Der Vergleich macht mich jedenfalls sicher: Mit XP arbeite ich noch immer am liebsten, es hat die einfachste und beste Bedienung, 7 die bisher eindeutig schwächste, weil undurchschaubar. Beim Internet Explorer, beim Ordnerstil, oder in Office gibt es immer wieder so etwas wie einen Kompatibilitätsmodus. Ich finde, es wäre keine schlechte Idee gewesen, das auch für die Ordnerstruktur und die Benutzeroberfläche neuer Windows Releases anzubieten.
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