(19.1.2012, 07:45) Der Foto Pionier Eastman Kodak hat heute mit seinen US Tochterfirmen Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Erst kürzlich hatte Kodak durch Patentklagen gegen Apple, HTC und jüngst auch gegen Samsung aufhorchen lassen. Allerdings kursiert schon seit einiger Zeit, dass der einst mächtige Fotokonzern dringend eine neue Struktur für das digitale Zeitalter benötigen wird und deshalb eine Insolvenz unausweichlich sei.
Kodak versuchte auch, ein Paket aus rund 1.100 Patenten zu verkaufen um sich dringend benötigtes frisches Geld zu besorgen. Experten gingen davon aus, dass Kodak mit den Klagen potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patentportfolios demonstrieren wollte.
Kodak gab heute bekannt, dass es aus eigenen Stücken eine Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet habe um eine Reorganisation des Unternehmens zu erleichtern. Das Unternehmen gab bekannt über eine Kreditlinie der Citigroup über 950 Millionen Dollar zu verfügen um die Reorganisation und das Weiterbestehen zu ermöglichen. Das Unternehmen erklärte in der Lage zu sein Angestellte zu bezahlen, Kunden zu bedienen und seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Kodak hat eine Website unter http://www.kodaktransforms.com/ eingerichtet um über die Reorganisation zu informieren. Laut dem Antrag für die Insolvenz hat Kodak Aktiva von 5,1 Milliarden Dollar und 6,75 Milliarden Dollar als Verbindlichkeiten per 20. September 2011. Das Unternehmen erwartet die Restrukturierung seiner US Operationen bis 2013 abzuschließen. Ironischerweise wird sogar angeführt, dass Nokia Kodak noch 12 Millionen an Lizenzahlungen schuldet.
Welche Auswirkungen das auf die europäischen Zweigniederlassungen von Kodak haben wird, ist noch nicht bekannt. Wir haben bei Kodak in Stattgart angefragt aber noch keine Auskunft erhalten. Sobald wir etwas hören, werden wir den Beitrag updaten.
Die Erfindung des Fotofilms hatte den Konzern einst reich gemacht, den Wechsel zur Digitalfotografie hatte er indes zu lange verschlafen. Über eine Insolvenz der Firma war bereits seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es dann im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven aufgezehrt. Das rund 130 Jahre alte Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte.
Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war zudem an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt und hält deswegen auch dort diverse grundlegende Patente.
[Update 19:47] Soeben erreicht uns folgendes Statement von Kodak: Heute am frühen Morgen kommunizierte die Eastman Kodak Company, dass der Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt worden sei. Diese Maßnahme greift direkt nur auf die Niederlassungen in den USA ein. Die weltweiten Tochtergesellschaften, so auch die Niederlassungen in Deutschland, Österreich und Schweiz sind nicht unmittelbar betroffen.