(Wien, 8.6.2010) Steve Jobs hat sein iPhone in der vierten Version nun tauglich für Videotelefonie gemacht. Wie bei jeder Ankündigung von Apple erwarten Kommentatoren eine nachhaltige Umwälzung der Welt. Diesmal hat es ihnen Facetime – die Technologie für Videotelefonie – angetan. Damit werde Apple den Durchbruch der Videotelefonie erzielen und die Rolle der Mobilfunker werde sich dadurch endgültig zum reinen Anbieter von Infrastruktur ändern.
In den vergangen zehn Jahren habe ich mindestens fünf Mal gehört, dass nun Videotelefonie den Siegeszug antritt. Und jedes Mal wurde das mit irgendwelchen tollen Filmchen untermauert, die zeigten was man nicht alles damit tun könne – sehr ähnlich dem Video von Apple (siehe unten). Es hat sich aber immer wieder herausgestellt, dass Videotelefonie nicht nur niemand braucht, ja in den meisten Fällen sogar unerwünscht ist. Bei den Filmchen sieht man immer bestens geschminkte Models in einer passenden Umgebung. Das trifft aber beim normalen Telefonat fast nie zu. Und deshalb meine ich, wird sich Videotelefonie, iPhone hin oder her, auch weiter nicht durchsetzen. Obwohl, die Videophonie beim iPhone offenbar wirklich einfach zu bedienen sein wird und Apple auch alle Anstrengungen unternimmt um es zu standardisieren. Aber Videotelefonie wird dennoch keinen nennenswerten Marktanteil erreichen – hier irrt Steve Jobs.
Das zweite Argument, dass die Mobilfunker damit zu reinen Infrastruktur-Providern degradiert werden, trifft zwar zu, hat aber mit dem iPhone nichts zu tun. In einer kürzlich präsentierten Studie des Beraters Arthur D. Little wird dieser Punkt ganz deutlich herausgearbeitet - das pfm-Magazin hat in der Juni-Ausgabe ausführlich darüber berichtet. Außer mit Infrastruktur, also dem Transport von Daten und Sprache ist für die Mobilfunker tatsächlich (fast) nichts mehr zu holen. Und auch Voice over IP, das lange Zeit als Bedrohung gesehen wurde, haben die Betreiber unter Kontrolle, abermals Apple hin oder her. France Telecom bietet bereits aktiv VoIP-Clients ihren Kunden an und in den fortgeschritteneren Ländern wie Österreich, gibt es bereits Kombitarife für Sprache, SMS und Daten. Dem Kunden ist es damit herzlich egal, ob er über VoIP oder ganz normale Sprachnetze telefoniert.
ADL empfiehlt sogar, die Verbreitung von Smartphones aktiv zu pushen, denn damit steigt das genutzte Datenvolumen drastisch an, Data-Packages können zusätzlich verkauft werden und gleichen damit den Preisverfall bei Sprache aus. Das iPhone 4 wird diesen Trend nur beschleunigen und gerade iPhones kreieren das höchste Datenvolumen im Vergleich mit allen anderen Smartphones.
Substanzielle Änderungen im Mobilfunkmarkt sind durch die neuen Features des 4er iPhone daher nicht zu erwarten. Was sicher passieren wird, ist, dass Apple noch wesentlich mehr Kontrolle über seine User ausüben wird. Dem dient unter anderen die Werbeplattform iAds. Ich kann mich da nur der kürzlich im Falter erschienen Analyse anschließen: „Die Bösen Drei - Du sollst keine Pornos schauen, wir dürfen deine Daten sammeln, verheimliche nichts vor der Welt. Google, Apple und Facebook wollen dem Konsumenten ihr Weltbild aufzwingen.“
( )© Telekom-Presse
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