(18.6.2011, 13:00) Ob wir das wollen oder nicht – es wandern immer mehr unserer persönlichen Daten in die Cloud. Egal ob ich bei Amazon einkaufe, einen Lauf mit Runtastic mache oder Angry Birds spiele – meine Daten und meine Aktivitäten landen auf irgendwelchen Speicherorten bei .... – ja bei wem eigentlich.
Seit dem Ausfall der der Cloudservices von Amazon weiß ich, dass Foursquare meine Daten in North Carolina speichert. Egal ob ich Alten Fassl in der Ziegelofengasse oder im Novecento in Rethymno einchecke, meine Daten landen in den USA.
Normalerweise erfahre ich nie wo meine Daten gespeichert sind und welchen rechtlichen Rahmenbedingungen sie unterliegen. Amazon geht bei seinem Cloud Drive sogar ziemlich unverfroren vor. Amazon nimmt sich nämlich das Recht, die „Nutzerdaten zu inspizieren, zurückzuhalten, zu nutzen sowie Kontodaten und Inhalte weiterzugeben“. Dann kommt noch ein Hinweis auf die Durchsetzung anwendbaren Rechtes, ohne aber zu sagen, welches Recht hier angewendet werden soll. (siehe)
Will man also gegen Amazon Rechte durchsetzen, muss man möglicherweise bei einem Bezirksgericht in North Carolina klagen. Geradezu legendär ist der Verkauf von Nutzerdaten durch Tom Tom an die holländische Polizei.
Für Firmen besteht allerdings die Möglichkeit Speicherorte zu vereinbaren. Sowohl Microsoft als auch Amazon betreiben Datacenters in Irland und bieten Speicherung unter europäischen Rechtsnormen an. Für einen Endkunden wird aber gar nichts zugesichert oder auch nur bekannt gegeben.
In der Lebensmittelbranche gibt es eine Reihe von Gütesiegeln und Herkunftsgarantien. Warum sollte das in der IT-Branche nicht auch möglich sein, dass mir bestimmte Speicherorte für meine Daten angeboten und garantiert werden.
Diaspora entstand als Reaktion auf einige Datenskandale bei Facebook. Hier ist vorgesehen, dass lokale Server die Daten halten und trotzdem ein weltweiter Austausch und Befreundungen möglich sind.
Gerade die Skandale rund um den Datenklau bei Sony zeigen auch, dass die zentrale Speicherung von Daten nur die Anfälligkeit gegenüber Diebstahl und Hacker erhöht. Wären die Daten verteilt und lokal gespeichert, wäre der Schaden bei weitem nicht so groß gewesen.
In Österreich gibt es genügend wirklich große Datacenters – T-Systems hat eines im T-Center und eines in der Steiermark, Kapsch betreibt eines ebenfalls in der Steiermark bei Kapfenberg, Siemens verfügt über ein riesiges Center und die Telekom Austria betreibt neben dem größten im Arsenal noch einige weitere.
Es wäre also durchaus möglich nicht nur das Rindfleisch vom Biobauern zu garantieren, sondern auch die Speicherung meiner Daten in Österreich. Jedenfalls wäre es eine gute Idee, wenn die EU in die neue Datenschutzrichtlinie, die bis zum Jahresende neu gefasst werden soll, auch eine Verpflichtung aufnimmt den Speicherort für persönliche Daten den Usern jeweils bekanntzugeben und zu garantieren.