(24.7.2011, 16:30) Google fegt nun offenbar mit dem eisernen Besen durch Google+. Wie berichtet wurden alle gelöscht, was auch nur annähernd nach einer Unternehmensseite aussieht. Betroffen davon waren auch ganz massiv die Medien aus der Technologiebranche, die sich schon ganz zu Beginn eigene Seiten gebaut hatten.
Nun sind aber auch alle Seiten dran, wo Google den Verdacht hegt, dass nicht der wirkliche Name verwendet wird, sondern irgendwelche Pseudonyme, ja sogar Spitznamen sind unerwünscht. Bisher scheint sich die Löscherei allerdings hauptsächlich auf die USA zu konzentrieren.
ZDNet berichtet von einer ganzen Reihe von Usern, deren Accounts still gelegt wurden. Google verlangt dann von den gelöschten bzw stillgelegten Konten einen Identitätsnachweis, wie etwa den Scan eines Ausweises.
Ganz besonders übel ist es einem Nutzer ergangen, der alle seine Daten in Googles Cloud Angebot verlegt hat, berichtet t3n.de: Alles, was Google zu bieten hatte, nahm Thomas und ersetzte damit seine bisherigen Angebote. Zuletzt bloggte er mit Blogger, mailte mit Googlemail, hatte seine Bilder bei Picasa und seine Videos bei YouTube. RSS Feeds las er mit dem Google Reader, seine Lesezeichen verwaltete er mit Google Bookmarks. Als Amerikaner nutzte er zusätzlich Google Voice. Briefe schrieb er mit Google Docs, ebenso wie Kalkulationstabellen und Termine fanden ihren Platz im Google Kalender, wie Aufgaben den ihren im Google Aufgabenplaner. Alles funktionierte wunderbar und Dylan freute sich, ein so komplettes Angebot mit einem einzigen Login nutzen zu können.
Am 15. Juli fand sich Thomas dann plötzlich ausgesperrt. Seine Versuche wieder an seine Daten zu kommen blieben erfolglos. Ein Mitarbeiter von Google gab ihm einen recht aufschlussreichen Rat: „Ehrlich, ich benutze Google nicht!“
Seine Geschichte erzählt er ausführlich hier.
Im Zuge der Löschungsaktion wurden auch viele Konten von weithin bekannten Leuten gelöscht, die wir aber nur unter ihrem Net-Pseudonym kennen. So zum Beispiel der breühmte iPhone Hacker MuscleNerd, der auf Twitter immerhin 230.000 Follower hat. Keine Ahnung wie ich den Burschen sonst finden soll, den ich seit langer Zeit nur unter MuscleNerd kenne.
Ein ähnliches Problem ergibt sich mit Literaten, die auch häufig unter Pseudonymen besser bekannt sind als unter ihrem Namen im Reisepass. Auch gegen diese geht Google gnadenlos vor. So wird der bekannte österreichische Literat Franzobel in Google+ Pech haben, denn er darf sich nur als Franz Stefan Griebl dort tummeln. Aber ehrlich - wer von uns würde ihn unter dem Namen finden?

[Update 25.7. 21:30] Und es werden immer mehr, teils absurde Beispiele beaknnt, wie dieses hier: Ein 16-jähriger der eine G+ Erweiterung für Chrome programmiert hat, wird diese nicht mehr unterstützen weil sein Account wegen Verwendung eines Pseudonyms gelöscht wurde.
Robert Scoble berichtet aber auf G+ von einem Gespräch mit G+ Manager Vic Gundotra: Man werde aus den Fehlern lernen und seine Politik adaptieren. Auch werde man irgendwie mit Pseudonymen umgehen. Man wird sehen.