(24.11.2011, 13:00) Der kürzlich auch in der deutschen Version eingeführte Echtzeit-Ticker, der auf der rechten Seite des Profils angezeigt wird, löste bei den Usern gemischte Gefühle aus. Unternehmen begrüßen ihn, bei den meisten privaten Nutzern löste er hingegen starken Unmut und heftige Kritik aus. Künftig könnte sich dieser Ärger noch verstärken, da nun nicht nur Statusmeldungen von Freunden, sondern auch Werbeanzeigen in Form so genannter "Sponsored Stories" geschalten werden.
Diese Art verschleierter Werbung wurde von Facebook am Beginn des Jahres eingeführt und macht User zu unbezahlten Werbeträgern. Sobald ein Nutzer den "Gefällt-mir"-Button einer Geschäftsseite anklickt, wird dies auch den Freunden des Users auf der Startseite angezeigt.
Bisher wurden derartige Meldungen unter der eigenen Headline "Sponsored Stories" an einem eigenen Platz angezeigt. Nun sollen die bezahlten Einträge, lediglich mit einem "Sponsored"-Schriftzug versehen, im Ticker laufen. Damit sieht die Werbung allerdings wie eine Empfehlung eines Freundes aus und kann kaum von "echten" Inhalten unterschieden werden.
Der Ticker, den es selbst in der US-Version erst seit September gibt, zeigt an, welcher Freund sich mit wem befreundet hat und welche Seiten bzw. Posts von Freunden geliked wurden. Dass der Ticker bei vielen Nutzern alles andere als gut angekommen ist, ist somit nicht verwunderlich und die neu eingebundenen Werbeanzeigen werden sicher nicht zur Beruhigung der Gemüter führen.
Die Funktion lässt sich zudem nicht deaktivieren. Wem der Ticker aber generell nicht gefällt, kann ihn mit einigen kleinen Tricks komplett ausblenden. Dazu genügt es, die Erweiterung Hide Facebook Sidebar Ticker oder Unannoying Facebook zu installieren. Im Firefox kann man sich zudem mit Add-on AdBlock Plus Abhilfe verschaffen.
Es wird also offensichtlich, dass Facebook mit seiner inzwischen auf mehr als 800 Millionen angewachsenen Nutzergemeinde Geld verdienen möchte. Läuft es für Facebook gut, werden mehr und mehr Unternehmen die "Sponsored Stories" buchen, da der Ticker eine Chance bietet, die eigene Marke in Verbindung mit Namen und Bilder echter Menschen zu präsentieren. Marketing durch persönliche Empfehlung ist bei Werbetreibenden ernorm beliebt.
Allerdings bewegt sich das soziale Netzwerk auf schmalem Grat. Sobald Facebook mit den neuen Werbeformen zu weit geht und zu viele Nutzer der Meinung sind, mehr Werbung als echte Inhalte zu sehen, muss das Netzwerk nicht nur mit Ärger, sondern mit Austritten rechnen. Eine riskante Entscheidung, deren Ausgang man gespannt abwarten darf.