(Wien, 20.09.2010) Aufgrund des großen Erfolges von Web-2.0-Plattformen wie Wikipedia, Facebook und Twitter beginnen mehr und mehr Unternehmen damit, die vergleichbaren Dienste Wiki, Social Networking und Microblogging auch „hinter der Firewall“ einzuführen. Solche Unternehmen werden mit dem Begriff Enterprise 2.0 bezeichnet. Der Grundgedanke von Enterprise 2.0 besteht darin, dass „employee generated content“ innerhalb von Unternehmen sowie zwischen Unternehmen und Stakeholdern auf ähnliche Art und Weise verfügbar gemacht wird, wie „user generated content“ am offenen Web. So sollen Unternehmen durch die effektive Unterstützung von Zusammenarbeit offener und gleichzeitig auch agiler werden.
Die Nutzung von Anwendungen und Technologien aus dem Web 2.0 in Unternehmen stellt Beteiligte allerdings schnell vor sehr spezifische Herausforderungen. So müssen durch das Management definierte Strukturen und Prozesse beachtet werden. Solche Strukturen gibt es im offenen Web nicht, wo Nutzer Inhalte in Selbstorganisation und Selbstverantwortung freiwillig mit anderen teilen. Dieses Spannungsfeld zwischen der mit dem Web 2.0 implizit verbundenen Selbstorganisation und der in Unternehmen herrschenden Fremdorganisation durch Hierarchien erzeugt ein Spannungsfeld, welches die große Initialhürde für Enterprise 2.0 darstellt.
In jüngster Zeit wird verstärkt die Frage laut, ob Enterprise 2.0 das klassische Wissens- und Informationsmanagement ersetzt. Voreilig Antwortenden sei jedoch zur Vorsicht geraten, denn Wissensmanagement ist weit mehr als ein (unkoordinierter) Einsatz von IT-Diensten. Wissensmanagement hat als ganzheitlicher Management-Ansatz zum Ziel, den Unternehmen zu einem effektiveren und effizienteren Umgang mit der Ressource Wissen zu verhelfen um daraus Wettbewerbsvorteile zu lukrieren. Daher bewegt sich Wissensmanagement im Spannungsfeld Technologie, Organisation und Mensch.
Neue Formen des Wissensmanagement
Bekanntlich kann Wissen in Unternehmen nicht den vollen Wert ausspielen, wenn es einem Mitarbeiter nicht dann vorliegt, wenn er es benötigt. Daher muss das Wissen eines Mitarbeiters auch jederzeit an andere Mitarbeiter transferierbar sein. Ein Wissenssuchender sollte jederzeit wissen, aus welcher Quelle (Mensch oder Tool) er eine relevante Information erhält. Enterprise 2.0 bietet zu diesem Zweck eine ganze Palette an neuen IT-Diensten, welche als neue Instrumente des Wissensmanagement eingesetzt werden können. Auffallend dabei ist, dass im modernen Wissensmanagement vermehrt die nutzerzentrierten Instrumente aus dem Web 2.0 eingesetzt werden. Das passiert ganz im Gegensatz zur Vergangenheit, wo meist monolithische dokumentenzentrierte Lösungen verwendet wurden, die oft an mangelnder Akzeptanz von Mitarbeitern litten und den Ruf von Wissensmanagement nachhaltig getrübt haben.
Dennoch kann das Enterprise 2.0 viel vom Wissensmanagement lernen, beispielsweise in der Identifikation der Barrieren für den Wissenstransfer. Klassische Wissenstransfer-Barrieren sind das Fehlen von Zeit, um Wissen zu teilen oder um Kollegen zu identifizieren, die ein relevantes Wissensangebot besitzen. Zudem fürchten Mitarbeiter, dass die Teilung von Wissen ihre professionelle Stellung negativ beeinflussen könnte. Außerdem erkennen sie oft nur schwer einen Nutzen, wenn sie Wissen an Kollegen transferieren. Menschen, die ihre Inhalte im Web mit Gleichgesinnten teilen, kennen solche Barrieren meist nicht, denn sie haben eine höhere Affinität zum Austausch. Verfechter von Enterprise 2.0 argumentieren damit, dass mit den neuen Anwendungen und Technologien auch gleichzeitig die Motivation von Mitarbeitern steigt, ihr Wissen mit Kollegen zu teilen, weil sie die positiven Effekte der Wissensteilung aus dem Web 2.0 kennen. Diesen Mechanismus erfolgreich zu nutzen, gelingt vielen Unternehmen noch nicht flächendeckend, da gerade dem Web-2.0-Gedanken nicht so zugängliche Mitarbeiter zurückhaltend bleiben. Auch in als sehr innovativ geltenden und dem Enterprise 2.0 nicht abgeneigten Unternehmen, teilt derzeit noch ein geringer Prozentsatz der Mitarbeiter wirklich Inhalte mit anderen. Die übrigen Mitarbeiter begnügen sich mit dem Konsum von geteilten Inhalten oder nutzen neue IT-Dienste gar nicht. Generell kann gesagt werden, dass Mitarbeiter ihr Wissen im Enterprise 2.0 teilen, wenn sie in der Wissensteilung einen Vorteil für sich erkennen. In diesem Zusammenhang kann und muss weitere Aufklärungsarbeit geleistet und Medienkompetenz geschult werden.
Microblogging im Unternehmen
Ein derzeit im Enterprise 2.0 häufig diskutierter IT-Dienst ist die von Twitter abgeleitete Teilung von Kurznachrichten, bezeichnet mit Enterprise Microblogging. Eine sehr anschauliche Fallstudie zum Einsatz von Microblogging im Unternehmen ist Siemens Building Technologies Division. Siemens BTD setzt seit März 2009 einen selbstentwickelten Microblogging-Dienst als Erweiterung der bestehenden von Johannes Müller betriebenen Wissensmanagement Plattform References@BT ein. References@BT ist gleichzeitig eine Community aus über 7000 aktiven Mitarbeitern aus 72 Ländern. Die Nutzung von Enterprise Microblogging verläuft aus Sicht der Verantwortlichen äußerst zufriedenstellend. So wurden beispielsweise im Zeitraum März 2009 bis März 2010 insgesamt 1331 Beiträge von 334 Autoren erstellt. Wesentliche Nutzungsgründe für die Mitarbeiter sind die einfache Art und Weise, Informationen mit anderen zu teilen, die Möglichkeit, über Microblogs aktuelle Ereignisse zu Produktveröffentlichungen, Features und Marktbewegungen zu erhalten, die Identifikation aktueller Trends und die effektive Suche nach Experten, um das eigene Netzwerk zu erweitern.
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September 2010 / Alexander Stocker
Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.
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