Schulreform, Lehrerausbildung

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Die österreichische Bildungsmisere

 

Die österreichische Schulreform ist seit Jahrzehnten steckengeblieben. An Nebenfronten, wie der Lehrerausbildung, kommt jedoch Bewegung in die Sache.

(Wien, 12.7.2010) In den Recherchen zum Gaming-Artikel (siehe) bin ich wieder auf das Problem gestoßen, dass Aufträge, die eine besonders hohe Wertschöpfung im Land erzielen würden, an andere Länder abgegeben werden müssen, weil bei uns das entsprechend qualifizierte Fachpersonal nicht vorhanden ist. Dank des hartnäckigen Widerstandes von Betonköpfen ist bei uns weder Schule noch Universität auf dem Niveau, das wir benötigen um international mithalten zu können und Beschäftigung und Wohlstand zu sichern.

Doch mit der neuen Wissenschaftsministerin Beatrix Karl scheint jetzt in die Schulreform wieder etwas an Bewegung geraten zu sein. Wer das sozusagen von unten unterstützen möchte, kann das durch einen Beitritt zu der Facebook Gruppe „SCHULREFORM jetzt! Für die Einführung von Ganztags- und Gesamtschule.“ tun.

Obwohl eine Schulreform von der Wirtschaft seit längerem massiv eingefordert wird und es von der Kammer und der Industriellenvereinigung dazu detaillierte Vorschläge gibt, wurde bisher jegliche Änderung durch GÖD und Lehrergewerkschaft erfolgreich blockiert.

Nun gibt es aber an einer anderen Front Fortschritte, die für mehr Qualität in den Schulen zumindest auf längere Sicht sorgen wird – nämlich einen Vorschlagskatalog zur Reform der Lehrerausbildung, der Anfang 2009 von Wissenschaftsminister Johannes Hahn und Unterrichtsministerin Claudia Schmied in Auftrag gegeben worden war. Der Endbericht mit den Empfehlungen der „ExpertInnengruppe“ ist auf den Webseiten des Unterrichts- und des Wissenschaftsministeriums abrufbar. Es lohnt sich, sich einige der vorgeschlagenen Punkte anzusehen.

Naturgemäß kommen Empfehlungen zur Lehrerausbildung nicht ohne Überlegungen über Änderungen der Schule und des Unterrichts aus. Und die gehen durchaus in die richtige Richtung, nehmen sie doch zur Kenntniss, dass es das Internet als eine der größten Informationsquellen gibt. So heißt es in dem Bericht: „Es herrscht weithin Konsens, dass sich Schule weiterentwickeln muss. Wissenschaftliche und internationale Evidenzen stellen außer Zweifel, dass jene Schule von morgen, auf die LehrerInnenbildung NEU vorbereiten soll, nicht dieselbe sein soll, wie die Schule heute.“

Zwei Merkmale der Schule, wie sie den Autoren vorschwebt, sind hervorhebenswert: „Eine Schule, die entdeckendes, selbstgesteuertes, selbstverantwortliches Lernen im Rahmen des gemeinsamen Auftrages unterstützt.“ Und: „Eine Schule, die offene Lernprozesse unterstützt, die reale und virtuelle Lernorte, auch außerhalb der Schule, nützt.“

Die Aussagen zur Lehrerausbildung tragen dem sich sehr rasch ändernden Wissensstand Rechnung und wollen „unter Nutzung wissenschaftlicher und internationaler Erkenntnisse eine wirklich grundlegende Neukonzeption anstreben. Es geht nicht um einige Veränderungen oder Weiterentwicklungen da oder dort, es geht um das grundlegende Durchdenken von Anforderungen und Aufgaben, das Finden von Ansätzen, die den Anforderungen von morgen gerecht werden.“

Mir gefällt, dass nicht von einer abgeschlossenen Ausbildung gesprochen wird, sondern von einem Übergehen in eine Fort- und Weiterbildung: „Die ExpertInnengruppe empfiehlt ein gesamthaftes, umfassendes 3-Phasenmodell für die LehrerInnenbildung NEU, das die Attraktivität pädagogischer Berufe hebt, stringente Verfahren zur Auswahl und Aufnahme vorsieht und eine klar aufeinander aufbauende, miteinander verknüpfte und durchlässige Struktur für Grundbildung, Berufseinführung und weiterführende Phasen des lebenslangen Lernens – Fort- und Weiterbildung – vorsieht.“

Vor allem die Fort- und Weiterbildung – bei qualifizierten Positionen in der Wirtschaft schon längst eine Selbstverständlichkeit – liegt im Lehrbereich im Argen. Der Bericht stellt trocken fest: „Österreich hat im Bereich der berufsbiographisch angelegten akademischen Fort- und Weiterbildung großen Nachholbedarf.“ Unter der Überschrift Lebensbegleitendes Lernen wird gefordert: „Lebensbegleitende Weiterbildungsphase, Vertiefung und Ergänzung, insbesondere auch für Einsatzfelder wie Schulleitung, Inklusions-Pädagogik, E-Learning, Projektmanagement und andere Professionen im Bildungsbereich.“

Es bleibt zu hoffen, dass diese positiven Ansätze und Absichten in der jetzt stattfindenden Begutachtungsphase nicht wieder zerredet und blockiert werden.

( )

Reaktionen auf diesen Artikel



PEMA, 13.07.2010
JA
die sogenannten Experten, die von der Praxis wenig Ahnung haben, aber erklären wollen, wie es geht, die haben uns schon eine Menge Geld gekostet und Vieles in den Sand gesetzt

 
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