(01.11.2011, 18:55) Bei der Präsentation des Nokia Lumia 800 kam über lange Zeit Langeweile auf. Die Präsentation befasste sich über weite Strecken damit, wie toll man alle Aktivitäten seiner Facebook FreundInnen in der Kachel für Kontakte rechts oben mitverfolgen kann. Diese Funktionen von Windows Phone sind aber mittlerweile hinreichend bekannt und wohl jeder Journalist hat mit irgendeinem der Smartphones, auf denen Windows Phone läuft, auch schon persönliche Erfahrungen gemacht.
Jedenfalls zeigt das mehr als deutlich wie sehr auch Nokia von Microsoft am Nasenring vorgeführt wird. Die einzige geringfügige Abweichung, die Nokia erlaubt wurde, ist offenbar die Verwendung des eigenen Kartenmaterials. Das, die Kamera, das Polycarbonatgehäuse und das Display aus Gorillaglas unterscheiden das Lumia von irgendeinem anderen Smartphone mit Microsofts Betriebssystem. Sogar die zu verwendenden Chips werden von Microsoft vorgeschrieben.
Gehäuse, Kamera und Glasoberfläche sind baugleich zum N9, dem Smartphone mit Nokias eigener Software MeeGo Harmattan. Allerdings ist das Display um 0,2 Zoll kleiner als beim N9, denn Microsoft schreibt zu Lasten der Displaygröße 3 Buttons vor, die es beim N9 nicht gibt.
Die Funktion, der in der Präsentation der meiste Raum gegeben wurde, nämlich der Integration von Facebook in die Kontakte, ist auch die, die mich bei Windows Phone am meisten nerven würde. Und die für die Mehrheit der österreichischen Handynutzer völlig sinnlos ist, sind doch nur 2,6 Millionen auf Facebook unterwegs. Mich ärgert das ganz besonders bei Windows Phone, denn ich habe je nach Betrachtungsweise vier oder mehr unterschiedliche Kontaktkreise deren Vermischung höchst unerwünscht ist. Zugegeben, auch bei Smartphones mit Android muss man höllisch aufpassen, will man Vermischungen von Twitter, Facebook, Google+ und den privaten oder geschäftlichen Kontakten verhindern.
Ich finde Windows Phone grafisch sehr gut gelungen. Und sobald es Windows 8 für Notebooks und PCs mit der gleichen Benutzeroberfläche gibt, wird möglicherweise auch Windows Phone attraktiv. Die Frage ist, ob diese Vermischung von Kontakten mit Facebook etc, nicht abschreckend ist.
Und für Nokia stellt sich die Frage, ob als Möglichkeit der Differenzierung zu anderen Herstellern die Plastiksorte des Gehäuses und das Glas über dem Display ausreichen.
Die Asha-Modelle, die auf Nokias altem Betriebssystem Symbian beruhen, halte ich jedenfalls für wesentlich kreativer und vermute, dass sie mehr Aussichten am Markt haben als die Einheitsgeräte mit Windows Phone. Und natürlich hätte ein N9 mit MeeGo deutlich mehr Chancen.
( )© Telekom-Presse
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