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Die Imagefabrik oder 'Pimp your Profile'

 
Fotocredit: SXC
 

Zeige ich auf Facebook, wer ich bin oder doch wer ich sein möchte? Das Zuckerbergsche Kommunikationstool wird immer mehr zur Imagefabrik.

(Wien, 11.06.2010) Das social Web stellt das Internet sowie seine Nutzer vor neue Herausforderungen und es hat die Nachrichtenrezeption nachhaltig verändert. Aber auch andere Entwicklungen gehen mit sozialen Netzwerken einher. Unter kontinuierlichem Publikations- und Popularitätsdruck entwickelt sich der Mensch zum Imagekonstrukt. Eine Beobachtung.

 

Siegeszug und Stumpfsinn

Die vergangenen Jahre sind von einem enormen Wandel geprägt, von etlichen Wandlungsprozessen besser gesagt. Der Siegeszug von Facebook und Twitter hat Nachrichtenkonsum und -produktion komplett umgekrempelt. Wir posten, twittern, verxingen uns, finden an etwas Gefallen (Fans werden wir ja keine mehr), holen uns Event- und Lektüretipps: alles aus dem Mikroblogging oder "Freundes"-Kreis. Ich muss gestehen, es ist seither einfacher geworden die Informationsflut zu ordnen und zu bewältigen. Alles aus einem Napf sozusagen.

Eine andere Konsequenz ist aber auch, dass mitunter ganz schön viel Stumpfsinn an die Öffentlichkeit kommt. Ob der Nachbar gerade in der Küche eine Mücke erschlagen hat oder auf dem Heimweg in Hundekot getreten ist, alles scheint ein Posting wert. Doch über solche Bagatellen kann man hinwegsehen.

 

Alter (besser) Ego

Mich beunruhigt vielmehr der Zwang, dem man sich als Web-2.0-Fan (Ok, ich oute mich) unterwirft, sich möglichst kreativ und originell vor seinen Freunden zu präsentieren. Man könnte glauben, dass ich es nicht nötig hätte, eine coole(re) Version meines Selbst zu konstruieren – gerade vor "Freunden" nicht. Aber weit gefehlt. Ich ertappe mich immerzu beim Gedanken, dass diese oder jene Aussage jetzt gut ankäme. Das ist nicht nur anstrengend, sondern irgendwann schier und einfach lästig.

 

Man denkt "facebookisch"

Als kürzlich im Freundeskreis (im realen, bei einer abendlichen Beisl-Runde) das Thema aufkam, war ich froh, nicht die Einzige "Facebook-Gesteuerte" zu sein. So manch anderer stimmte zu, auch gelegentlich in Facebook-Posts zu denken "liegt im Bett und schaut Columbo", "macht es sich gerade auf der Terrasse gemütlich" oder "muss jetzt in die Arbeit". Puh, ich befinde mich also in Gesellschaft. In gesteuerter Gesellschaft zwar, aber wenn eine Innovation – wie derzeit das Social Web – es schafft, sich so tiefgreifend im Alltag der internetverbundenen Menschheit zu manifestieren und etablieren, gilt die Devise: Das Beste draus machen.

 

Marketingtool

Und das Beste ist in diesem Fall, die Möglichkeiten das Web 2.0 möglichst effektiv für sich zu nutzen. Der Imageschliff, den ich an mir selbst anwende, kann also auch dem Unternehmen nicht schaden. Beispiele für ungeschickte Web-2.0-Öffentlichkeitsarbeit gibt es jedoch immer wieder, wie Medienexpertin Julia Wippersberg am Beispiel des Lebensmittelkonzerns Nestle anführte.

 

Enterprise 2.0 bedeutet weit mehr als News über Facebook hinaus zu schmettern, aber der Einbezug von Verbrauchern und potenziellen Kunden bei Produktentwicklung und Meinungserhebung kann und wird erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines Produkts oder Unternehmens haben.

 

Leben in der Krise

Hier ein Auszug eines Bloggers auf der deutschen Bloggerplattform Kultiversum:

 

[…] Die meisten Leute auf Facebook sind einfach besser als ich: Die haben die gewitzteren, abgefahreneren Sprüche, die cooleren Bilder und die kennen alle irgendwie Heike Makkatsch und Benno Führmann und einige hier sind sogar mit Quentin Tarantino verlinkt und ich kenne nur 20 Prozent der Leute, die meine Freunde sind, und das sind alles nur arbeitslose Schauspieler, Theaterwissenschaftsstudenten oder meine Eltern. Und das gibt mir das Gefühl, irgendwie ein Loser zu sein.

 

Ich muss hier unentwegt originell sein und das strengt mich ungeheuer an ICH KANN EINFACH NICHT UNUNTERBROCHEN WITZIG UND ORIGINELL SEIN. Dieser Performance-Zwang, ich muss mich hier ständig selbst bewerben. Mit jedem Satz, den ich in diesem von anderen Image-Konstrukten wimmelnden Raum spreche, muss ich hier auf mich als Produkt verweisen UND DAS SCHAFF ICH EINFACH NICHT MEHR.

 

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