Microsoft scheint einige starke Patente zu haben, dank denen sie wahrscheinlich etwa 10 Dollar an jedem Android Smartphone mitverdienen werden. Google scheint unfähig seine Lizenznehmer gebührend zu schützen.
(7.7.2011, 07:15) Nun scheint sich für die Android Hersteller an einer Front im Krieg der Patente eine Niederlage abzuzeichnen. Microsoft hat offenbar einige starke Eisen im Feuer und laut Reuters ist Samsung bereit 10 Dollar pro verkauften Androiden dafür zu zahlen. Aber auch die anderen Android OEMs wie Motorola oder HTC werden zur Kasse gebeten.
Neben den so genannten Patent-Trollen wie Lodsys bekämpfen einander auch die Hersteller bis auf’s Messer. Berichte über Klagen und Gegenklagen zwischen Apple und Samsung treffen nun bereits im Tagesrhythmus ein. Apple musste gegenüber einer Klage von Nokia die Segel streichen und leistet Lizenzzahlungen an die Finnen für jedes iPhone.
Auch Microsoft verfügt über eine riesige Zahl an Patenten und will diese nun in klingende Münze umsetzen. Besonders aussichtsreich sind Patent No. 5,579,517 und 5,758,352, beide genannt “Common name space for long and short filenames”. Das geht noch auf DOS zurück, das nur Filenamen von 8 Zeichen Länge und einen Appendix mit 3 Zeichen, das so genannte 8.3 Format zuließ. als Microsoft mit Windows 95 auf den Markt kam, fiel diese Beschränkung zugunsten 255 Zeichen langer Namen. Um Rückwärtskompatibilität zu gewährleisten klügelte Microsoft einen Mechanismus aus, der die langen in kurze Namen umwandelte und speichert.
Nun klagt Microsoft, da sich Android dieses Mechanismus bedient – offenbar hat Google dieses Patent von Microsoft übersehen.
Und dann gibt es noch einige sehr technische Patente, bei denen Microsoft offenbar auch sehr gute Karten hat.
Der beste Schutz vor Klagen sind eigene Patente, die man dann als Tauschobjekt in Unterhandlungen einsetzen kann. Das könnte der Hauptgrund sein, warum HTC, das sich auch Klagen ausgesetzt sieht, den Hersteller von Grafikkarten S3 erworben hat. S3 soll über ein recht interessantes Patentportfolio verfügen, das bereits alleine mehr Wert sein soll, als der Kaufpreis von 300 Millionen Dollar. 235 bereits erteilte Patente betreffen den Mobilfunkbereich und eine Reihe weiterer wurden eingereicht. Und - die ITC hat bereits in einem Urteil festgestellt, dass Apple zwei dieser Patente verletzt und lizenzpflichtig ist.
Genau darum ging es auch bei der Versteigerung der Patente von Nortel. Für ein Gesamtpaket mit über 6.000 Patenten aus den Bereichen Mobilfunk, Kommunikations-Technik, Internet und mehr bot eine Firmen-Vereinigung 4,5 Milliarden US-Dollar. Damit setzte sich die Gruppe, zu der unter anderem Apple, Sony, Ericsson, RIM, EMC und Microsoft gehören, gegen Google durch. Der Suchmaschinenbetreiber hat sich für sein Gebot eine für ihn typische Zahlenspielerei erlaubt und bot Pi (3,14159) Milliarden US-Dollar. Microsoft hat in der Zwischenzeit Profit aus dem Deal schlagen können und Lizenzverträge mit vier verschiedenen Firmen (Wistron, Velocity Micro, Onkyo und General Dynamics Itronix) in neun Tagen abgeschlossen.
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