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Cross-Chef Pierer im Interview

 
Fotocredit: KTM
 

Stefan Pierer, Vorstand von Cross Industries, KTM und UIAG spricht über die Verkaufspläne der Beko-Anteile, die Fantasie im Automotive-Bereich und die Börsennotiz.

(Wien, 16.07.2010) Bis Jahresende will Cross-Chef Stefan Pierer seine Marktanteile am Unternehmen Beko verkaufen. Über die Neuaufstellung im Konzern sprach mit ihm Bettina Schragl vom Börse Express.

 

Börse Express: Zuletzt gab es regen Newsflow aus Ihrer Gruppe: Sie und Ihr Partner Rudolf Knünz haben über die Cross Industries eine weitere Beteiligungs-Gesellschaft gestülpt, die KP Invest Beteiligungs GmbH, und bei Cross Industries eine Kapitalerhöhung durchgeführt, bei der die  UIAG eingestiegen ist. Zudem gab es etliche personelle Rochaden, etwa den Wechsel  von Herrn Knünz in den Aufsichtsrat der Cross Industries und die Bestellung des ehemaligen UIAG-Vorstands Friedrich Roither zum CFO von Cross. Was ist der Hintergrund dieses Umbaus und sind Sie jetzt damit fertig?

 

Stefan Pierer: Fast fertig. Hintergrund ist die klare Fokussierung auf den Automotive-Bereich. Wir haben die Gruppe jetzt mit drei Säulen aufgestellt - der Motorrad- und Vierradbereich rund um KTM, dann die Cross Motorsport, die rund um Pankl für hoch beanspruchte Motoren und Fahrwerkslösungen steht, und der Bereich Kunststoffbau mit Peguform und der Wethje Gruppe. Wir werden damit heuer auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro kommen und 9500 Mitarbeiter beschäftigen. Alle Beteiligungen aus dem Nicht-Automotive-Bereich haben wir veräußert, bis auf Beko. Aber das ist im Laufen und sollte bis Jahresende erledigt sein. Auch im Management haben wir uns diesbezüglich aufgestellt. Wir werden den Vorstand der Cross Industries auch noch um zwei weitere Personen, Alfred Hörtenhuber und Klaus Rinnerberger, erweitern.

 

BE: Wie sieht der geplante Verkauf Ihres Beko-Anteils aus?

 

Pierer: Unser gesamter 54 Prozent-Anteil (14 Prozent davon sind an eine Oberbank-Tochter abgetreten, Cross verfügt aktuell über Stimmrechte von 48 Prozent, Anm. d. Red.) an Beko steht zur Disposition. Es kann aber auch durchaus sein, dass der eine oder andere Teilbereich, wo sich Synergien ergeben, bei uns verbleibt.

 

BE: Das klingt nach Aufspaltung der Beko?

 

Pierer: Wir sind hier sehr flexibel. Das Unternehmen besteht ja aus vier unterschiedlichen Teilbereichen - All for One Midmarket, Triplan, Beko und Brain Force. Ich will mich aber nicht festlegen. Der Prozess läuft, und wie gesagt sind wir zuversichtlich, dass wir bis Jahresende zu einer Lösung kommen.

 

BE: Nun sind Sie ja noch vor gar nicht allzu langer Zeit, 2007, bei Beko eingestiegen. Wieso jetzt diese ausschließliche Fokussierung auf den Automotive-Bereich? Da wird einem ja bekanntlich das Geld nicht nachgeworfen.

 

Pierer: Die Schärfe der Krise erforderte eine klare Ausrichtung. Der Automotive Sektor ist sicher einer der härtesten. Aber wenn man sich gut darin bewegt, geht man aus Krisen gestählt hervor.

 

BE: Wo sehen Sie die große Fantasie?

 

Pierer: Da gibt es mehrere Punkte: Wir verfügen über die Gesamt-Fahrzeug-Kompetenz im Konzern, wir haben Motorräder und Vierräder gebaut. Das ist sehr hilfreich für das Verständnis der Zulieferer-Industrie. Zudem sind wir "unternehmer-geführt", sprich die handelnden Personen sind alle seit Jahren in der Branche tätig. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Private Equity Industrie, das bietet uns grosse Chancen. PE in der Zulieferer-Branche war eine komplette Fehlentwicklung. Und nicht zuletzt können wir den Megatrend im Fahrzeugbereich - die Gewichtsreduktion - bedienen. Diese spielt sich über die Karosserien ab, und hier werden faserverstärkte Kunststoffe, wie wir sie anbieten können, immer wichtiger.

 

BE: Nicht nur Cross Industries, sondern auch einige ihrer Beteiligungen haben zuletzt Kapital aufgenommen.

 

Pierer: Bei Cross waren es rund 32 Millionen, bei KTM an die 56 Millionen Euro - wir haben gezeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten unternehmerische Verantwortung übernehmen. Und wir haben unsere Hausaufgaben in Bezug auf Kapazitätsanpassungen und Fitnesskur gemacht. Die Entwicklung bei KTM freut mich besonders, hier liegen wir meilenweit über den ursprünglichen Annahmen. Das ist zwar nicht auf die Umsatzentwicklung zurückzuführen, sondern auf die Kostenanpassungen, aber auch der Umsatz sollte den Boden gefunden haben. Bei Peguform hat zudem die Nachfrage aus der Premiumklasse in den letzten Monaten extrem angezogen.

 

BE: Ich nehme an, bei Peguform wird die Restrukturierung noch andauern?

 

Pierer: Nein, die haben wir schon abgeschlossen. Das Ergebnis war 2009 operativ positiv, 2010 erwarten wir unter dem Strich ein positives Ergebnis.

 

BE: Der Deal mit den finanzierenden Banken basiert ja auf einem Peguform-Verkauf bis Ende 2012. Was kann man jetzt nach rund einem Jahr, nachdem sie dort am Steuer sind, sagen?

 

Pierer: Wir haben mit dem Kaufpreis-Konsortium bis Ende 2012 Zinsfreiheit vereinbart. Das heisst, wir geben uns drei Jahre Zeit, das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Wie wir die historische Kaufpreis-Verbindlichkeit dann erfüllen, da gibt es sicher einige Möglichkeiten.

 

BE: Polytec-Gründer Friedrich Huemer bezeichnet die Abgabe von Peguform an Sie ja noch immer als strategisch vollkommen falsch. In einem kürzlich erschienenen Interview sagte er zudem: "Ich muss zugeben, ich habe die finanzielle Potenz der Cross Holding damals überschätzt. Und dass ich Cross als zu unserer Seite gehörig wahrgenommen habe, war, wenn Sie es so wollen, wohl mein Fehler." Wollen Sie das kommentieren?

 

Pierer: Nein, eigentlich nicht. Ich schätze Herrn Huemer als Unternehmerpersönlichkeit. Aber natürlich haben sich die Zeiten geändert. In der Krise braucht man Netzwerke und Beziehungsintelligenz, sonst ist man allein. Wir haben das Thema Peguform immer positiv gesehen und waren überzeugt, dass das Unternehmen mit unseren Kontakten ausbaufähig ist. Ich glaube, dass es aus der damals schwierigen Situation heraus die einzige mögliche Lösung war. Und ich verstehe auch die Enttäuschung des Herrn Huemer. Denn die strategische Entscheidung, mit Peguform systemrelevant zu werden, war richtig.

 

BE: Cross Industries wies für 2008/09 einen Verlust von 138 Millionen Euro aus, auch das Rumpfgeschäftsjahr - das letzte Quartal 2009 - war negativ. Was erwarten Sie nun für 2010?

 

Pierer: Heuer sollte jede unserer Gruppen sehr ordentliche positive Ergebnisse erwirtschaften.

 

BE: Der Streubesitz bei KTM ist unter 10 Prozent geschrumpft, auch bei Pankl sind es nur mehr rund 15 Prozent. Die Aktien haben eine geringe Liquidität, Small und Mid Caps sind bei Anlegern derzeit nicht beliebt. Zahlt sich die Börsenotiz eigentlich noch aus oder wäre es mittelfristig nicht besser, eine übergeordnete Automotive-Gesellschaft an die Börse zu bringen?

 

Pierer: Ich gebe Ihnen schon Recht, bei KTM ist kaum noch Streubesitz übrig und der Kapitalmarkt ist derzeit für Unternehmen dieser Größenordnung nicht einfach. Aber wir sind in den Midmarket umgereiht worden und berichten quartalsweise, zudem haben wir einen Börsenkurs. Das Listing ist keine Zusatzarbeit, und ich würde es nicht vorsätzlich aufgeben wollen. Bei Pankl kann sich zudem auch wieder eine gute Wachstumsstory entwickeln. Inwiefern Kapitalmarktinstrumente sonst in der Zukunft eine Rolle spielen, muss man abwarten.

 

BE: Bei KTM haben Sie mit der indischen Bajaj Gruppe einen Partner, der auch Aktionär ist. Gibt es hier Neues?

 

Pierer: Bajaj war 2007 wirklich ein Glücksgriff und ist in schwierigen Zeiten vorbildhaft zu uns gestanden. Das hat die Kooperation stark gefestigt. Bajaj ist in einer Größenordnung, in der man beim Einkauf ganz andere Dimensionen erzielen kann, zudem sind sie unser Distributor für die Emerging Markets.

 

BE: Sie haben ganz zu Beginn den Verkauf der nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Beteiligungen erwähnt. Dazu zählte ja auch der UIAG-Anteil, der nun von den direkten Familiengesellschaften von Ihnen und Herrn Knünz gehalten wird. Wie soll es mit der UIAG weitergehen?

 

Pierer: Wir haben die Beteiligungen größtenteils verkauft und planen, die UIAG im Automotive-Umfeld als klassischen Minderheitspartner aus dem Private Equity Bereich einzusetzen.

 

BE: Über der UIAG schwebt ja nach wie vor das Risiko einer Haftung aus der Causa Libro.

 

Pierer: Wir behandeln dieses Thema, für das wir ja nicht verantwortlich sind (Cross kaufte sich erst Jahre nach dem Libro-Börsengang bei der UIAG ein, Anm. d. Red.), sehr professionell, können es aber nicht abschätzen. Wir werden keine Dividenden ausschütten, keine Aktien rückkaufen und können ansonsten nur abwarten.

 

BE: Aus Ihrer Perspektive des Unternehmers, was sind die wichtigsten Erfahrungen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise?

 

Pierer: Die Liquidität war früher ein Commodity, jetzt ist sie ein rares Gut. Die Eigenkapitalquoten bei den Unternehmen werden sicher steigen. Des Weiteren hat sich aus meiner Sicht die Hausbank-Beziehung in der Krise bewährt und wird weiter an Gewicht gewinnen. Und eine Fitnesskur für das Unternehmen tut rückblickend gar nicht so schlecht. Nach 24 Monaten Krise kann ich sagen, dass es wirklich auch eine Chance ist, es macht wieder Freude.

 

Quelle: http://www.boerse-express.com/pages/893658 

 

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