Co-Gründer von ARM: Smartphones lösen PCs ab

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Co-Gründer von ARM: Smartphones lösen PCs ab

 
(C) Apple, Amadeus, pfm, ARM
 

Die Telekom Presse sprach mit dem führenden Hightech Venturer Europas und Co Gründer von ARM, dem Wiener Hermann Hauser, über die Entwicklungen und Zukunftstrends im Markt für Smartphones, Tablets und PCs.

 

(4.1.2012, 18:55) Die ARM (Advanced RISC Machine) Architektur ist dabei Intel abzulösen. Während von Intels Prozessoren etwas mehr als 400 Millionen Stück jährlich verbaut werden, kommen Prozessoren von ARM mittlerweile bereits auf 8 Milliarden Exemplare pro Jahr. kein Wunder, werden sie doch in 95% der Mobiltelefone genutzt, von denen jährliche 1,3 Milliarden Stück produziert werden. Und meist enthält so ein Phone nicht nur einen ARM-Chip - im iPhone und iPad finden sich zum Beispiel jeweils 5.

Besonders freut sich Hauser auch über einen neuen Rekord im Vorjahr: „Erstmals haben wir mit den ARM Chips Intel auch wertmäßig überholt. Intel erzielte 40 Milliarden, der ARM Chip bereits mehr.“ Aber das kommt der genauso wie Hauser in Cambridge/UK ansässigen ARM Holdings plc nur zum Teil zu Gute. Denn das Geschäftsmodell ist völlig anders - ARM produziert nicht selbst, sondern entwickelt und lizensiert. Und deshalb finden sich ARM Chips in immer mehr Geräten:

Und genau das ist auch laut Hauser die größte Schwäche von Intel. Sie haben zwar den weltweit besten Produktionsprozess, aber ein falsches Produkt, das ist in dem Fall das Geschäftsmodell.

Hauser erläutert die Entwicklung an Hand der 5 Wellen, die er auch im Zuge seiner Lehrtätigkeit unterrichtet. Die erste Welle war der Mainframe, die zweite der Minicomputer, gefolgt von den Workstations, die von der vierten Welle, dem PC, abgelöst wurde. Die derzeit alles überrollende fünfte Welle ist die des mobilen Computings.

Laut Hauser sieht jede Welle an ihrem Ende ein Monopol und wird komplett abgelöst von der nächsten, wenn damit 80% der Leistung der vorigen aber zu einem weit geringeren Preis erreicht werden können. Weder Mainframes, noch Minis, noch Workstations sind überflüssig geworden - nur es hat niemand mehr Workstations gekauft, wie die PCs fast das gleiche zu einem weit geringerem Preis konnten. Und deshalb hat etwa auch Oracle Probleme mit seiner Akquisition von Sun, deren hervorragende Workstations heute einfach niemand mehr kauft.

Derzeit erleben wir gerade die Ablösung der PC-Architektur durch die Smartphone-Architektur. Ein ARM Chip kostet 1 Dollar, ein Intel Prozessor etwa 100. Aber das Smartphone kann bereits rund 80% dessen, was ein PC oder Notebook kann. Wobei Hauser die Tablets unter Smartphones subsummiert, da sie die gleiche Architektur haben. Natürlich werden Tastatur und Maus für bestimmte Jobs erhalten bleiben und es wird sogar weiter Notebooks geben, aber eben nicht mit der PC-, sondern der Smartphone-Architektur.

Hauser ist ein Apple User - iPhone, iPad, MacBook Air sind für ihn die Arbeitswerkzeuge der Wahl. Für ihn hat noch immer das iPhone das am meisten sexy User Interface. Aber „das Galaxy S II ist das beste Smartphone“. Wohl wegen des Super AMOLED Displays.

Apple ist Hauser auch schon zu abgeschlossen, denn „Apple sperrt mich ein. Mache ich ein Foto habe ich es sofort überall auf den anderen Devices verfügbar. Aber es aus der Apple-Umgebung herauszubekommen ist schwierig. Googles Geschäftsmodell ist sehr offen und ich glaube, dass Google damit besser positioniert ist“, meint der Entrepreneur.

Dass die PC-Architektur bald aussterben wird, davon ist Hauser überzeugt: „Noch nie haben zwei Wellen parallel existieren können. Jede neue Welle hat wesentlich mehr Nutzer als die vorherige und bietet wesentlich billigere Produkte.“

Die führenden Vertreter der einzelnen Wellen müssen keineswegs verschwinden, wie das etwa DEC, dem Erfinder der Minis passiert ist. „IBM hat sich selbst neu erfunden und ist nach wie vor eine tolle Firma. Auch Microsoft und Intel sind großartige Unternehmen und es ist durchaus möglich, dass sie auch auf der neuen Welle nach Umstrukturierungen weiter surfen können. Schließlich hat Microsoft schon die Verfügbarkeit von Windows 8 für die ARM Architektur angekündigt“, sagt Hauser.

Fortsetzung folgt.

Über Hermann Hauser

Den ARM-Chip ließ der 1948 in Wien geborene Hauser schon im Jahr 1983 entwickeln, um die Leistung seines Acorn Computers zu verbessern (ARM stand ursprünglich für Acorn Risc Machine, heute für Advanced Risc Machine). Nachdem Hauser sein Studium der Physik in Wien mit einem Doktorat am berühmten Cavendish Laboratorium in Cambridge abgeschlossen hatte, gründete er 1978, da er gerade 100 Pfund übrig hatte, mit einem Freund eine Computerfirma namens Acorn, der später zum BBC-Micro wurde. Fünf Jahre später ging das Unternehmen an die Börse und war damals die Rekordsumme von 200 Millionen Pfund wert.

1997 gründete er gemeinsam mit Anne Glover und Peter Wynn das Venture Unternehmen Amadeus Capital Partners, einen der führenden Techno-Venturer Europas. Er sitzt als Non-Executive Director in vielen Aufsichtsräten der Unternehmen, in die Amadeus investiert ist.

Warum der ARM lizensiert wird, geht auf Erfahrungen von Hauser in der damaligen Zeit zurück, die er bei einem am 15.Oktober 1997 in Wien gehaltenen Vortrag (Bild: Hauser bei seinem Vortrag im Management Club), so berichtete: „In den frühen 80er Jahren - zu der Zeit, als ich mich mit Acorn befasste - kam ein Mann in mein Büro in Cambridge und wollte mir ein Betriebssystem verkaufen. Ich sagte ihm: ‚Bill, ich kann so einen Rückschritt mit meinem BBC-Micro nicht machen. Sieh Dir unser Betriebssystem an und Du wirst sehen, dass MS-DOS einfach nicht akzeptabel für unsere Kunden ist.‘ Jeder unserer Computer hatte einen Netzwerkanschluss. Die marktführenden Computer waren Apple- und IBM-PCs, beide hatten keinen Netzwerkanschluss. Bills Reaktion auf diese Feststellung war: ‚Was ist ein Netzwerk?‘ Wenn Acorn klarerweise den besten Computer hatte - wir waren besser als die damals führenden Computerhersteller -, das beste Betriebssystem, das besser als Microsoft war, wir waren technisch gesehen klar die Nummer Eins. Nur, warum ist die Welt heute nicht Acorn-kompatibel, warum aber IBM- und Microsoft-kompatibel?

Die Antwort lautet: Partnerschaft. Bill Gates ist damals eine Partnerschaft mit IBM eingegangen, die Microsoft als den Standard für die Industrie etablierte.“ Genau daraus hat Hauser auch mit ARM die Lehren gezogen, die auch heute noch gelten, auch wenn die Welt längst nicht mehr IBM-kompatibel ist und bald auch nicht mehr Microsoft-kompatibel.

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