Um die rasche Expansion voranzutreiben, hat das Internet-Versandhaus schlechte Geschäftszahlen in Kauf genommen. Der Gewinn reduzierte sich aber, zum Schock der Anleger, im vierten Quartal 2011 um rund 60 Prozent.
(01.02.2012, 11:00) Kein Jubel bei dem weltgrößten Onlinehändler Amazon. Im vierten Quartal 2011 kam es zu einem deutlichen Gewinneinbruch, wobei sich nun vor allem Anleger um die zukünftige Entwicklung des Konzerns sorgen. Der Nettogewinn wurde durch die hohen Betriebskosten im durchwachsenen Weihnachtsgeschäft gedrückt und belief sich auf nur 177 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) bzw. 38 Cent je Aktie. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum konnte noch ein Ergebnis von 416 Millionen Dollar bzw. 91 Cent je Aktie erwirtschaftet werden, was einem Rückgang von knapp 60 Prozent entspricht.
Der Umsatz stieg zwar im vierten Quartal um 35 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar. Allerdings wurde dieser Überschuss durch die Investition in neue Produkte und den Ausbau der Lieferzentren so stark verringert, dass der Gewinn insgesamt für den betrachteten Zeitraum um 58 Prozent fiel. Im Gesamtjahr konnte der Umsatz insgesamt um 41 Prozent auf 48,1 Milliarden Dollar steigen, wobei nach Angaben des Gründers und Konzernchefs Jeff Bezos die meistverkauften Produkte, sowohl in Amerika als auch in Europa, der Tablet-Computer Kindle Fire, sowie Kindle-Lesegeräte waren.
Genaue Verkaufszahlen der Geräte gab Amazon allerdings nicht bekannt. Analysten gehen aber von 4 bis 6 Millionen verkauften Exemplaren des Kindle Fire aus, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Hinsichtlich des Gewinns konnte man, trotz des Umsatzes von 48,1 Milliarden Dollar, im Gesamtjahr nur ein Ergebnis von 862 Millionen Dollar erreichen. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet dies einen Verlust von 39 Prozent. Die Produkte selbst scheinen also alles andere als Ladenhüter zu sein. Dennoch fressen die hohen Kosten die Umsatzzahlen auf. Was übrig bleibt: Ein zu geringer Gewinn und schockierte Aktionäre.
Jeff Bezos betonte am Dienstag aber vor allem das enorme Wachstum der Fremdanbieter, wobei dieser Bereich in Zukunft weiter ausgebaut werden soll. Amazon hat das Portal für Drittanbieter geöffnet, wobei nach Stückzahlen derzeit bereits 36 Prozent der Verkäufe auf diese Fremdhändler entfallen.
Vor allem versucht sich Amazon nicht nur, wie eBay, als klassischer Onlinehändler zu positionieren, sondern ist nun auch Anbieter von digitalen Inhalten wie Filmen und Musik. Dieser Geschäftszweig soll auch insbesondere durch die Veröffentlichung des eigenen Tablets ausgebaut und verstärkt werden. Bis es aber soweit ist, in diesem Feld vollständig etabliert zu sein, wird man weiterhin mit geringen Gewinnen rechnen müssen. Vor allem tritt Amazon im Feld der digitalen Inhalte auch in Konkurrenz zu Apple, wie sich vor Kurzem ganz besonders am Einstieg in den Lehrbuchmarkt gezeigt hatte.
Die Aktionäre hingegen sehen diese Entwicklungen nicht ganz so positiv und sind verärgert. Analysten haben mit besseren Ergebnissen, vor allem mit besseren Umsätzen im Weihnachtsgeschäft, gerechnet. Für das nächste Quartal wurde von Amazon zudem kein erfreuliches Szenario vorskizziert: Das Unternehmen geht von einem bescheidenen Umsatzwachstum von 22 bis 36 Prozent und im schlimmsten Fall von einem Verlust aus. Die Anleger sind damit alles andere als zufrieden. Die Amazon-Aktie fiel nachbörslich um 9 Prozent.
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